Ihre Studenten lernen in jedem Seminar, in jeder Vorlesung, wie man mit Geld gut umgeht und wie man es zum Wohle eines Unternehmens vermehrt. Sie lernen Finanzmanagement, Buchhaltung, Controlling, nachhaltige Unternehmensentwicklung. Doch viele Business Schools scheinen all diese Lektionen selbst nicht zu befolgen. Jahr für Jahr häufen sie teilweise riesige Verluste an.

Die European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel hat ausweislich des letzten veröffentlichten Jahresberichts im Jahr 2011 sieben Millionen Euro Verlust gemacht. Die Handelshochschule Leipzig (HHL) schreibt seit Jahren rote Zahlen. Und die Gisma Business School in Hannover musste im vergangenen Jahr sogar Insolvenz anmelden. Gerettet hat die Hochschule am Ende die Übernahme durch ein niederländisches Bildungsunternehmen.

Warum schaffen es die Hochschulen, die den Nachwuchs für die deutsche Wirtschaft ausbilden, nicht, Geld zu verdienen? Und das, obwohl sie für die Studiengänge, die sie anbieten, üppige Studiengebühren verlangen.

38.000 Euro kostet ein Vollzeit-MBA-Studium an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin, die in den vergangenen Jahren zu einer der renommiertesten deutschen Business Schools aufgestiegen ist. An der Otto Beisheim School of Management (WHU) in Vallendar sind es 36.000 Euro und an der European Business School (EBS) 32.500 Euro. Bei solchen Preisen sollte doch einiges zusammenkommen, möchte man meinen. Allein mit den Einnahmen aus Studiengebühren kann sich aber keine Wirtschaftshochschule finanzieren. "Bei uns decken die Gebühren etwa 60 Prozent des Gesamtbudgets", sagt Jörg Rocholl, Präsident der ESMT. Der Grund: Manager auszubilden ist teuer.

Um in den wichtigen Rankings nach oben zu klettern und damit auch für internationale Studenten attraktiv zu werden, müssen Business Schools eine gewisse Größe und ein vielfältiges Studienangebot haben. Dafür müssen sie kräftig investieren, zum Beispiel in Professoren. "Bei den Rankings wird sehr auf die Forschungsleistung einer Hochschule geschaut", sagt Rocholl. Für den Weg an die Spitze braucht man daher Forscher, die Studien in renommierten Fachzeitschriften publizieren, die internationale Erfahrung haben und Kontakte zur Wirtschaft. Die lassen sich nur dann von anderen Universitäten abwerben, wenn man ihnen viel bietet: ein gutes Gehalt, Zeit für Forschung, Mitarbeiter, Promotions- und Habilitationsrecht.

Die Gisma aus Hannover wollte dieses Problem mit einem Rundum-sorglos-Paket lösen: Sämtliche Professoren und Lehrinhalte kaufte sie zum Festpreis von rund 1,4 Millionen Euro im Jahr bei der US-amerikanischen Purdue-Universität ein. Die Professoren wurden für Vorlesungen eingeflogen. Doch die Kalkulation ging nicht auf. Als sich 2012 nur noch 24 Teilnehmer für den Vollzeit-MBA anmeldeten, konnte die Hochschule den Paketpreis nicht mehr bezahlen und meldete Insolvenz an.

Business Schools versuchen sich aber nicht nur bei Professoren zu überbieten, sie haben sich in den vergangenen Jahren auch in einen teuren Wachstumswahn hineingesteigert. Alle wollen gern größer sein, als sie sind, um international sichtbarer und attraktiver zu werden. Nur so, glauben sie, ließen sich mehr ausländische Studenten an eine deutsche Business School locken. "Size matters", die Größe zählt, ist ein Mantra in der Branche, seit Jahren. Doch wachsen kostet Geld – Geld, das die meisten Wirtschaftshochschulen hierzulande nicht haben.

Überlebenswichtig: Die finanzielle Unterstützung durch Unternehmen

Die EBS wollte vor fünf Jahren unbedingt den Status einer Universität erlangen und gründete dafür, mit millionenschwerer Unterstützung des Landes Hessen, eine Jura-Fakultät. Und weil die Stadt Wiesbaden unbedingt eine Uni haben wollte, sollte die Hochschule das Gebäude des ehemaligen Landgerichts in Wiesbaden sanieren und umbauen. Rund 30 Millionen Euro hätte das vermutlich gekostet. Der neue EBS-Präsident Rolf Wolff stoppte jetzt das Projekt. "Wir können dieses finanzielle Risiko momentan einfach nicht eingehen", sagt er. Schon jetzt hat die EBS Probleme, die Miete für die von der Law School bislang genutzten Räume in der Nähe des Wiesbadener Bahnhofs zu bezahlen.

Auch die ESMT legt Wert auf einen repräsentablen Lehrbetrieb, sie ließ für rund 35 Millionen Euro das ehemalige Staatsratsgebäude auf dem Schlossplatz umbauen. Die WHU mietete sich 2011 in den exklusiven Schwanenhöfen in Düsseldorf ein; der Platz am Stammsitz in Vallendar reichte nicht mehr aus.