In Deutschlands mächtigster Bank knirscht es. Wenn der Aufsichtsrat der Deutschen Bank kommende Woche zusammentritt, werden Jürgen Fitschen und Anshu Jain sich einige scharfe Fragen gefallen lassen müssen. Zu den Geschäftszahlen für 2013, die das Institut am vergangenen Sonntagabend veröffentlichen musste, zehn Tage früher als geplant, weil sie deutlich schlechter ausfielen als erwartet. Zu den Skandalen der Vergangenheit, die das Haus auch in der Gegenwart nicht zur Ruhe kommen lassen. Oder zum selbst verordneten Kulturwandel, der helfen soll, neue Skandale zu vermeiden, den viele draußen aber bisher für unglaubwürdig halten.

Nächsten Montag werden sich die zehn Vertreter der Aktionäre im Aufsichtsrat und die zehn Vertreter der Arbeitnehmer wohl erst getrennt treffen, am Dienstag tagen die Mitglieder, bevor dann am Tag darauf die Vorstandschefs vor die Presse treten. Zwei Tage – das ist viel Zeit, um sich von Jürgen Fitschen und Anshu Jain erklären zu lassen, warum die Deutsche Bank 2013 nur einen Vorsteuergewinn von 2,1 Milliarden Euro erzielt hat. Oder wann sie gedenkt, wegen der Manipulationen internationaler Zinssätze auch im Management personelle Konsequenzen zu ziehen. Ach ja, da sind auch noch die zwei Ermittlungsverfahren, die gegen Jürgen Fitschen laufen – gibt es da etwas Neues?

Am Ende wird sich der Aufsichtsrat wohl hinter das Management der Bank stellen. Jürgen Fitschen, Anshu Jain, der Aufsichtsratschef Paul Achleitner, dessen Kollegen – sie alle wissen, dass der Aufruhr weiter anhalten wird, dass 2014 ein höchst unruhiges Jahr wird. Immer wieder werden negative Schlagzeilen die Anleger verärgern und die Kunden verwundern. Doch Aufsichtsrat und Vorstand wollen diese schwierige Phase gemeinsam durchstehen in der Hoffnung, dass das Institut seine für 2015 ausgegebenen Ziele erreicht: höhere Gewinne, niedrigere Kosten, mehr Stabilität und eine führende Rolle beim Wandel in der Bankenbranche. "Da muss die Bank jetzt durch", ist ein Satz, den man in diesen Wochen häufig hört.

Jeder Vorwurf, jede Wendung, jede Einigung sorgt für neuen Wirbel

Die feste Überzeugung, dass der eingeschlagene Kurs richtig ist und in ruhigere Gewässer führt, wird von vielen als Starrsinn kritisiert – nötigt aber auch Respekt ab. Die Fragen lauten nur: Wie lange kann ein Konzern einem Sturm trotzen, der ohne Unterlass tobt? Und was macht dies mit dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern?

Im Moment läuft die Deutsche Bank Gefahr, in eine Angststarre zu verfallen. Für die Bank und ihre Führung ist 2014 das Jahr der Entscheidung.

Das Jahr begann mit Ärger. So gelangte ein Zwischenbericht der deutschen Finanzaufsicht ans Licht, in dem diese dem Vorstand nach dem Skandal um manipulierte Zinssätze harsche Vorwürfe machte. Viele Beobachter fragen sich, wer diesen Bericht an die Presse gegeben hat und warum jetzt – verfasst wurde er bereits im August. Der Tonfall des Schreibens jedenfalls war harzig, die Art, wie es einzelne Manager aus der zweiten Reihe namentlich herausgriff, kam einer Aufforderung, diese rauszuwerfen, schon sehr nahe – das ist ungewöhnlich. Co-Vorstandschef Jain, der einst für die Sparte verantwortlich war, in der sich die Manipulationen vor Jahren abspielten, musste sich von der Aufsicht offenbar auch sehr kritische Töne gefallen lassen.

Nun die schlechten Zahlen für 2013. Das letzte Quartal bescherte einen Vorsteuerverlust von 1,2 Milliarden Euro, auch weil man 528 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten aufbringen musste. Im Investmentbanking, viele Jahre der Stolz der Bank, brach das Geschäft mit Anleihen so stark ein, dass die Erträge um 27 Prozent sanken. In der Sparte, die einst Milliarden scheffelte, blieb bloß ein Quartalsgewinn von 95 Millionen Euro vor Steuern hängen.

Insgesamt bleibt der Deutschen Bank 2013 nicht viel mehr übrig als das, was sie den Aktionären im vergangenen Jahr als Dividende ausgeschüttet hat. Auch im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz ist es wenig. Der Aktienkurs brach am Montag um mehr als fünf Prozent ein.

Der Druck auf die Bank wird hoch bleiben. Im Skandal um manipulierte Marktzinsen muss sie noch mit saftigen Strafzahlungen in den USA und Großbritannien rechnen. Hinzu kommen die Ermittlungen wegen Manipulationen im Währungshandel. Eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht ist beschlossene Sache. Einigen in der Bank bereitet das Kopfzerbrechen. Intern werde der Fall wesentlich kritischer gesehen als der Zinsskandal, er sei brenzliger für die Bank, berichtet ein Kenner zum Beispiel. Der Grund: Im Währungsgeschäft ist die Deutsche Bank weltweit Marktführer, im Zweifel könnte es daher richtig teuer werden. Jüngst soll sie vorsorglich einzelne Mitarbeiter vom Dienst suspendiert haben. Bestätigen will die Bank das nicht.