Ein nahöstlicher Herrscher öffnet den Alukoffer mit dem roten Bombenknopf. Ein Kampfhubschrauber landet auf irgendeinem Feld in Asien. Eine Frau mit roten Pumps stellt sich einem anrollenden Panzer in den Weg. Gleich rumst es – oder doch nicht? Die Frau steigt in Pumps auf den Panzer und knutscht den Fahrer. Der Pilot des Kampfhubschraubers knutscht die asiatische Reisbäuerin. Und der Herrscher mit dem Bombenknopf? Zündet damit ein herrliches Feuerwerk. Für seine Frau. Knutsch!

Diese Szenen laufen zurzeit zwar nicht in den Nachrichten, aber immerhin im Werbeblock. Der Deohersteller Axe bewirbt mit dem Spot seine neueste Duftmarke "Peace", Slogan: "Make love not war". Toll, denkt man – bisschen sprühen, und schon ist der Krieg weg?

Tatsächlich blieb der Einfluss von Gerüchen auf die Politik zu lange unbeachtet. Alles andere wurde ja rauf und runter diskutiert: "Politik und Schönheit" ("Ist Manuela Schwesig zu hübsch für die Politik? Und Roland Koch zu hässlich?"), "Politik und Alter" (Helmut Schmidt und andere) oder auch "Politik und Essen", um nur einige quasi sinnverwandte Bereiche zu nennen. Zeit also für: "Politik und Geruch".

Kurzer Blick ins Archiv: ein Riesenthema! Zeilen wie "Die iranischen Reformer riechen nach Demokratie" oder "China stinkt der deutsche Erfolg" belegen, dass Politik durchaus mit der Nase gemacht wird. Das schlägt mitunter auch auf den politischen Alltag durch: Die Bundestagsverwaltung verhängte im Jahr 2009 eigens ein Fischverbot in der Kantine, wegen der lästigen Dünste. Ungezählt sind die gescheiterten Seiteneinsteiger, die mangels "Stallgeruch" in der Politik scheiterten, ja scheitern mussten. Im Internet beschäftigt sich ein Forum mit der Frage, warum politische Parteien nicht längst eigene Parfums vertreiben, zwecks Teambuilding. Duftanregungen: CDU – salzig-herbe Meeresluft, SPD – Möbelpolitur, Grüne – Misthaufen, würzig.

Litauen ist da schon weiter. Dort gibt es "Lietuvos Kvapas", den "Duft von Litauen", inzwischen eine Art Nationalparfum. Der Außenminister verschenkte es an die ausländischen Botschafter, das Verteidigungsministerium schickte es seinen Soldaten an die Front nach Afghanistan (womit der Axe-Spot gleich weniger realitätsfremd wirkt). Vielleicht eine Idee auch für die EU, deren mangelnder Teamspirit doch immer beklagt wird? Vorschlag: "Eau d’Europe – der unbürokratische Duft". Steigert die Wahlbeteiligung. Garantiert!