Nach zwölf Stunden war alles vorbei. Die Mitglieder des Hamburger SV haben ihrem Verein die Chance auf eine neue Struktur gegeben und mehrheitlich gegen ihre eigene Mitsprache gestimmt. Es wird also spannend in den nächsten Wochen. Nicht auf dem Feld, sondern einmal mehr in den Hinterzimmern.

Der Vorstand ist nun beauftragt, eine Satzungsänderung vorzubereiten und damit den Weg für das Konzept HSVplus, das eine Ausgliederung des Profifußballs vorsieht, frei zu machen. Dafür sind allerdings im Sommer eine weitere Versammlung und eine Dreiviertelmehrheit der anwesenden Mitglieder erforderlich.

Die Schlacht ist geschlagen – der Kampf der Systeme geht weiter. Der HSV ist der basisdemokratischste Club der Liga mit einer einflussreichen Fanorganisation, mit dem öffentlichkeitswirksamsten Aufsichtsrat und den unterhaltsamsten Mitgliederversammlungen. Der Dinosaurier soll endlich modernisiert werden, um erfolgreich Fußball zu spielen.

Was hat das alles mit Fußball zu tun? Über Fußball wurde am vergangenen Sonntag nicht allzu viel gesprochen. Allein die ewige Frage, ob Geld nun Tore schießt, schien Anhänger wie Gegner zu interessieren. Die HSVplus-Befürworter verheißen durch die Öffnung für Investoren eine glorreiche sportliche Zukunft. Die Traditionsbewahrer malen unermüdlich den kapitalistischen Räuber der Vereinsseele an die Wand.

Ganz am Ende des sonntäglichen Schlagabtausches feierten die Vorkämpfer der uneingeschränkten Mitsprache übrigens die Ablehnung der Fernwahl mit Sprechchören. Wenn die Demokratie die Gesamtheit der mehr als 70 000 Mitglieder erfassen soll, dann geht sie den Demokratieverfechtern eben doch zu weit.

Wer über die Ausrichtung des Vereins entscheidet, muss also auch in Zukunft anwesend sein an diesen Tagen der HSV-charakteristischen Selbst– beschäftigung. Die Raute im Herzen zu haben heißt, auch skurrile Choreografien, Verunglimpfungen und Handgreiflichkeiten für das bewahrenswerte Wesen des Vereins zu halten. Während sich die Wettbewerber der HSV-Profifußballabteilung mit ihrer sportlichen Gegenwart und Zukunft beschäftigen, gehen die HSV-Verantwortlichen nun einmal mehr auf Wahlkampftour, um Mehrheiten zu organisieren. Oder zumindest eine ausreichend große Minderheit, die dafür sorgt, das alles bleibt, wie es ist.

Vielleicht ist das das entscheidende Spiel für den Verein. Der Ausgang ist offen. Am Sonntag trifft der HSV auf Schalke 04. Bei Bundesligatoren genügt die einfache Mehrheit.