Boris Becker, daran muss gelegentlich erinnert werden, ist ein ehemaliger deutscher Tennisspieler. Er gewann sechs Grand-Slam-Turniere, ist Olympiasieger und Erfinder der Becker-Faust. Sein Status als deutscher Mythos gründet darin, dass er uns, die Deutschen, zum jüngsten Wimbledonsieger aller Zeiten gemacht hat und dafür zum Bobbele der Nation wurde. Mit ihm haben wir Wimbledon noch zweimal gewonnen, die Finalniederlage gegen Michael Stich wurmt uns noch heute.

Im vergangenen Herbst, da waren wir schon lange nicht mehr Boris, trat Becker mit einem Handtuch auf dem Kopf und Fliegenklatschen an den Ohren in einer Fernsehsendung von Oliver Pocher auf. Nach einer langen Reihe aus Pannen, Pech und Peinlichkeiten war aus dem Idol Becker endgültig der Depp der Nation geworden. Nun bot sich unlängst die Chance einer Re-Bobbelisierung. Als der Serbe Novak Djoković, einer der drei besten Tennisspieler der Welt, ihn überraschend als neuen Coach verpflichtete, durfte man hoffen, Becker könnte durch die Rückkehr an den Ursprung, den Tennisplatz, seine immerwährende Spätpubertät beenden. Zu früh gehofft. Jetzt hat sich Boris Becker einen neuen Manager zugelegt.

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Der Mann heißt Sascha Rinne, sieht aus wie ein Dressman, und seine prominentesten Kunden sind Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn. Becker hat in seiner Sammlung im Grunde nur noch gefehlt. So war Becker zwei Jahre mit jener Frau zusammen, mit der Pocher drei Kinder hat. Beckers Kunststück, auf der Treppe zwischen den Toiletten des Londoner Restaurants Nobu eine uneheliche Tochter gezeugt zu haben, ist der Stoff, aus dem Pocher seine Komik bezieht. Grand-Slam-Erfahrung kann dieser jetzt auch aufweisen. Jüngst trug Pocher seiner neuen Freundin Sabine Lisicki in Melbourne die Schlägertasche hinterher, woraufhin sie umgehend ausschied. Und aus Marzahn kommt Becker natürlich ebenso wenig, wie Cindy das in Wahrheit tut.

Wenn der Modetrend der heutigen Tennisstars, sich mit einem Star von gestern als Coach zu schmücken – Federer hat sich einen Edberg zugelegt, Murray einen Lendl –, vorbei ist, wird es für Becker andernorts weitergehen. Mit einem Manager Rinne an der Seite steht ihm jeder Job als Knallcharge im Privatfernsehen offen. Boris Becker, darauf kann man jetzt leider schon Wetten abschließen, ist ein künftiger deutscher Dschungelcamp-Bewohner.