Als Gabriele Tergit zum ersten Mal das Kriminalgericht in der Turmstraße in Berlin betritt, ist sie keine Heldin. Mit zitternden Beinen steigt sie die Steinstufen hinauf. Dann steht sie vor der hohen Holztür eines Gerichtssaales. Minutenlang.
Es ist das Jahr 1923. Das Jahr, in dem der erste Parteitag der NSDAP in München stattfindet und der nationalsozialistische Völkische Beobachter von einer Wochenzeitung in eine Tageszeitung umgewandelt wird. Und das Jahr, in dem die jüdische Journalistin Elise Hirschmann, die unter dem Pseudonym Gabriele Tergit schreibt, vom Feuilletonchef des Berliner Tageblatts den Posten einer Gerichtsreporterin angeboten bekommt. Doch als Tergit vor dem Saal steht, kann sie sich nicht entschließen, ihn zu betreten. In ihren Augen ist es ein "Ort der Männer".