Als die Anhänger von Rebellenführer Paul Joseph Mukungubila mit Maschinengewehren und Handgranaten die amtierende Regierung stürzen wollten, griff Udo Steffens sofort zum Telefon und rief seine Kollegen in Kinshasa an. "Ich wollte natürlich wissen, ob es ihnen gut geht", erzählt der Leiter der Frankfurt School of Finance and Management. "Zum Glück war alles in Ordnung. Sie hatten von den Gefechten nicht viel mitbekommen." Der Grund für die Aufregung zum Jahreswechsel: Seit rund drei Monaten hat die Frankfurter Business School einen neuen Außenposten in einem der gefährlichsten Länder der Welt. Im vergangenen Oktober eröffnete sie die Central African Business School in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo.

Es ist ein gewagtes Projekt. Seit Jahrzehnten herrscht im Kongo Bürgerkrieg. Vor allem im Osten des Landes liefern sich unterschiedliche Rebellengruppen immer wieder Kämpfe mit der kongolesischen Armee und kontrollieren ganze Landstriche. Die Hauptstadt Kinshasa galt lange Zeit als relativ sicher – bis Ende Dezember die Anhänger des Religionsführers Mukungubila einen Putsch wagten. Wie kann man in einem derart instabilen Staat eine Business School aufbauen? Und brauchen die Menschen im Kongo nicht andere Dinge dringender als das Wissen über Marketing, Controlling und Finanzmanagement?

Udo Steffens sieht das Studienangebot an der Central African Business School als eine neue Form der Entwicklungshilfe. "Ohne eine professionelle Management-Ausbildung können Länder wie die Demokratische Republik Kongo ihre Wachstumspotenziale nicht entfalten", sagt er. "Das wird in der klassischen Entwicklungshilfe oft vernachlässigt." Wenn staatliche Behörden effizienter geführt würden, steige ihre Akzeptanz. Wenn Unternehmen erfolgreich seien und Arbeitsplätze schafften, gebe es möglicherweise weniger Menschen, die sich Rebellengruppen anschlössen, um der Armut zu entkommen. In der politischen Theorie nennt man das Nation-Building.

Hohe Wachstumsraten und junge Bevölkerung – wieso also keine Business School?

Die Idee für die afrikanische Business School kam Udo Steffens bei einem seiner zahlreichen Besuche im Kongo. Schon seit den 1990er Jahren kooperiert die Frankfurt School mit der Protestantischen Universität in Kinshasa. Steffens, der vor einigen Jahren mit der Norddeutschen Mission, einem evangelischen Missionswerk, häufiger in Togo und Kamerun war, trieb die Zusammenarbeit weiter voran. Vor drei Jahren bauten beide Hochschulen ein gemeinsames Institut für Mikrofinanzierung auf. 2010 nahmen erstmals Studenten der Protestantischen Universität ein Masterstudium in Microfinance auf und lernten, wie man Minikredite und -versicherungen richtig einsetzt. Für einige Kurse kamen die kongolesischen Studenten auch nach Frankfurt.

Das gemeinsame Master-Programm lief so gut, dass Udo Steffens dachte: Warum nicht gleich eine ganze Business School in Kinshasa eröffnen? Als Markt für Management-Ausbildungen ist Afrika noch weitgehend unerschlossen. Zwar haben sich rund 30 afrikanische Wirtschaftshochschulen in der Association of African Business Schools zusammengeschlossen, doch die meisten davon haben ihren Sitz im relativ weit entwickelten Südafrika. In Zentral- und Westafrika etwa gibt es nur wenige Möglichkeiten, einen MBA zu machen. "Deutsche Unis sehen dieses Potenzial nicht", sagt Steffens.

Viele Menschen in Europa verbinden mit dem afrikanischen Kontinent nur Armut, Elend und Krieg. Dabei haben einige der Staaten dort hohe wirtschaftliche Wachstumsraten, im Kongo waren es 2012 über sieben Prozent, und eine wachsende Mittelschicht, die an guten Studienmöglichkeiten im Land interessiert ist. Dazu kommt: Afrika hat eine sehr junge Bevölkerung, im Kongo sind 45 Prozent der Menschen jünger als 15 Jahre.

Chinesische Hochschulen haben das Potenzial für Bildungsangebote in Afrika bereits erkannt. Die China Europe Business School, die 1994 als Gemeinschaftsprojekt von der Europäischen Kommission, dem Chinesischen Ministerium für Außenhandel und der Stadt Shanghai gegründet wurde und die in den einschlägigen MBA-Rankings stetig nach oben klettert, hat sich schon vor fünf Jahren auf den afrikanischen Markt gewagt: 2009 eröffnete sie einen Campus in Ghana und bietet seitdem dort MBA-Programme an.