Es sind göttliche Stücke. Das muss sogar zugeben, wer Majolika nicht ausstehen kann. Denn die Damen und Herren vom Olymp bestimmen das Geschehen auf diesen beiden blau-weißen Gefäßen. Der Kriegsgott Ares – der mit den Brustwölbungen seines Panzers fast weiblich wirkt – ergeht sich mit Gefährtinnen in erotischer Tändelei. Triton, dieses Mischwesen aus Mensch, Pferd und Delfin, bläst in sein Horn und bringt damit die Meere in Wallung. Poseidon hält stolz seinen Dreizack, daneben gibt es noch Ladys aus dem Göttergeschlecht, die nicht ganz zweifelsfrei zu benennen sind.

Die beiden Krüge stammen aus Savona in Norditalien; die Handwerker brachten freundlicherweise Manufakturmarken an, dann haben es die Kunsthistoriker heute nicht so schwer. Die Majolikaproduktion in dem ligurischen Städtchen hatte ihre Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert. Mit der blau-weißen Malerei unter der Zinnglasur orientierte man sich an dem Ming-Porzellan aus China. Charakteristisch war ein lässig-luftiger, zuweilen auch derb-expressiver Malstil.

Die beiden 53 Zentimeter hohen Krüge stammen nicht aus dem Barock, sondern aus dem 19. Jahrhundert, das haben die Experten bei Van Ham in Köln, wo das Paar am 29. Januar versteigert wird, gleich erkannt. Auf nur 700 Euro sind die beiden Stücke taxiert – das liegt auch an einigen Restaurierungsspuren. Genau um solche Objekte geht es Van Ham mit seiner Auktion Dekorative Kunst. Die Botschaft: Auch mit wenig Geld lassen sich zauberhafte Traumstücke erwerben.

Sebastian Preuss ist stellv. Chefredakteur von WELTKUNST und KUNST UND AUKTIONEN