Frage: Als sich Petra von ihrem Mann scheiden ließ, war das für sie kein Grund, Michael nicht mehr zu treffen und ihn zum Essen einzuladen, wenn er Geburtstag hatte. Michael hat das auch immer gern angenommen, er hat Petra von seinen Urlauben und manchmal auch von seinen neuen Freundinnen erzählt – er hielt es bisher mit keiner lange aus. Mit Sabine scheint es jetzt doch etwas Festeres zu werden. Plötzlich kann Michael nur noch von seinem Büro aus telefonieren, und Einladungen zum Abendessen sollen besser ausfallen, weil Michaels neue Freundin eine Szene macht, wenn sie davon erfährt. "Sabine hat bisher mit jedem Ex richtig Schluss gemacht", sagt Michael. "Sie verlangt von mir, dass ich das jetzt auch tue. Sie findet es pervers, wenn wir uns immer noch treffen!"

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Wolfgang Schmidbauer: Petra und Michael sollten sich dagegen verwahren, dass nicht normal ist, was sie tun, im Gegenteil. Manchmal gelingt es, aus den Trümmern einer Ehe so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung zu retten. Das hat mit Kooperation zu tun, nicht mit Perversion. Michael sollte seinen Standpunkt behaupten, dass es ganz und gar seine Sache ist, ob er mit seiner Exfrau weiterhin befreundet bleibt oder nicht. Wenn es Sabine bisher nicht gelungen ist, Exfreunde in ihr soziales Netzwerk einzubetten, heißt das nicht, dass Michael das ebenso wenig tun darf. Michael sollte es allerdings unbedingt vermeiden, Sabine einen Vorwurf zu machen, etwa, indem er ihr krankhafte Eifersucht unterstellt. Die Lösung liegt darin, dass er Sabine vermittelt, dass sie seine Liebste ist.