Fast jede Helgoland-Werbebroschüre betont die gute Luft auf der Insel. Häufig wird dabei zu extremen Zahlen gegriffen: "Tausendmal reiner als auf der Zugspitze" soll die Luft sein, will die Fragerin der Woche auf einer Überfahrt gehört haben. Die Zahl der Staubpartikel sei "zehnmal so niedrig wie auf der Zugspitze", wirbt ein Wellnesszentrum im Internet.

Eine Anfrage beim Deutschen Wetterdienst (DWD) ergibt, dass diese Behauptungen im wahrsten Sinne des Wortes aus der Luft gegriffen sind. Am ehesten stimmen sie noch für die Allergien auslösenden Pollen: "Die praktische Pollenfreiheit auf Helgoland ist wohl richtig", sagt Uwe Kaminski, Leiter des Referats Lufthygiene beim DWD. An Land können die Allergieauslöser bis zu 10.000 Meter hoch in die Luft gewirbelt werden und erreichen so auch die Berggipfel.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/​Getty Images

Schadstoffe wie Stickoxide und Feinstaubpartikel werden auf der Zugspitze allerdings nicht gemessen, dafür zieht Kaminski die Messwerte der auf 1000 Meter Höhe gelegenen Bergstation Hohenpeißenberg in Oberbayern heran. Bei beiden Schadstoffen sind die Werte für Helgoland etwa doppelt so hoch wie im Gebirge. Grund seien der Schiffsverkehr und das winterliche Heizen. Selbst wenn man die – möglicherweise gesundheitsfördernden – Meersalzpartikel abzieht, steht Helgoland schlechter da.

Und die auch oft gehörte Behauptung, Helgoländer Luft enthalte viel Sauerstoff, ist völliger Quatsch: Der Gehalt von etwa 21 Prozent in der Luft ist überall in Deutschland derselbe.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt's?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt's?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio