Der Deutschlandfunk bietet seit 2011 zusammen mit der Fachhochschule Köln das Webportal nachrichten-leicht.de an. Hier findet man die neuesten Nachrichten in Leichter Sprache. Sechs Mal im Jahr gibt der Spaß am Lesen Verlag aus Münster eine Zeitung in einer gemäßigten Form der Leichten Sprache heraus; im Internet erscheint sie wöchentlich. Und schon sind Teile der Bibel übersetzt, es gibt eine leichte Weihnachtsgeschichte, eine leichte Passionsgeschichte ist in Vorbereitung. Selbst Literatur wird übersetzt, Ziemlich beste Freunde von Philippe Pozzo di Borgo gibt es zum Beispiel in ziemlich leichter Lesart. In Berlin-Friedrichshain hat soeben die Pablo-Neruda-Bibliothek eine Abteilung für Medien in Leichter Sprache eröffnet.

Ein Zentrum für Leichte Sprache befindet sich in Bremen. Unter dem Dach der Lebenshilfe Bremen arbeitet das Büro für Leichte Sprache, das 2004 das erste derartige Büro in Deutschland war. Heute gibt es über 80 solcher Einrichtungen. Sieben Übersetzer sind hier beschäftigt, zwei angestellte und drei ehrenamtliche "Textprüfer" sowie zwei Mitarbeiter, die sich der Bibelübersetzung widmen. Die wirklichen Experten, das wird immer wieder betont, sind die Textprüfer. Als Behinderte können nur sie wirklich beurteilen, ob die Leichtversion eines Betreuungsvertrags oder einer Gebrauchsanweisung für sie verständlich ist.

Der vorige Absatz lautet in Leichter Sprache in der Übersetzung des Bremer Büros so:

In Bremen gibt es ein Büro für Leichte Sprache.

Das Büro ist von der Lebenshilfe Bremen.

Das Büro gibt es seit dem Jahr 2004.

Es war das erste Büro für Leichte Sprache in Deutschland.

Heute gibt es ganz viele Büros in Deutschland.

Im Büro für Leichte Sprache in Bremen schreiben 7 Menschen Texte in Leichter Sprache.

2 Menschen schreiben Geschichten aus der Bibel in Leichte Sprache.

Im Büro arbeiten auch Prüfer.

Nur Menschen mit Behinderung können Prüfer sein.

2 Prüfer arbeiten jeden Tag im Büro.

3 Prüfer arbeiten als Helfer mit.

Sie alle prüfen zum Beispiel:

Sind die Texte gut zu lesen?

Sind die Texte gut zu verstehen?

Elisabeth Otto leitet das Büro, dessen Dienste zunehmend von Behörden, Kirchen, aber auch Privatunternehmen in Anspruch genommen werden. Sie kennt alle Regeln der Leichten Sprache: kurze Wörter benutzen, sie gegebenenfalls teilen und mit Bindestrichen verbinden. Gerade das Deutsche liebt ja zusammengesetzte Hauptwörter wie Ochsenschwanzsuppe (wird zu Ochsen-Schwanz-Suppe). Verboten sind lange Sätze, Passivkonstruktionen, Negationen, der Konjunktiv. Die Satzstruktur soll einfach sein, Nebensätze dürfen nur ausnahmsweise vorkommen, aber nie eingeschoben sein.

Die vom bundesweit agierenden Netzwerk Leichte Sprache erstellten Regeln könnte theoretisch auch ein Computer beherrschen. Doch die Idee, dass ein Programm schwere in leichte Sprache übersetzen könne, amüsiert Elisabeth Otto sehr. Denn genauso wichtig wie die Erleichterung der Sprachstruktur und einzelner Begriffe ist die Reduktion des Gesagten auf das Eigentliche, das Wichtige, das Gemeinte. Und das ist wahrlich eine besondere Herausforderung, zum Beispiel, wenn ein Wahlkampfflyer in Leichte Sprache übersetzt werden soll. Was ist nichtssagend, was Schaumschlägerei, was will die Partei eigentlich sagen? Und will der Kunde am Ende tatsächlich das gesagt haben, worauf das Übersetzungsbüro seine heiße Luft reduziert hat?

Die Idee einer Leichten Sprache stammt von der amerikanischen Organisation People First, in der sich seit 1974 Menschen mit geistiger Behinderung organisieren, die aber lieber "Menschen mit Lernschwierigkeiten" heißen wollen. In den neunziger Jahren kam die Idee von Easy Read auf. In Deutschland engagierte sich die Kasseler Organisation "Mensch zuerst – Netzwerk People First Deutschland", die später das "Netzwerk Leichte Sprache" gegründet hat. Die Emanzipationsbewegung von Menschen mit Lernschwierigkeiten kratzte an der letzten Barriere, die den freien Zugang zu allen Informationen verstellte: an der Sprache selbst.

Das Problem kennt jeder Fachfremde, der einmal soziologische Fachliteratur zu lesen versucht hat. Sprache wird regelmäßig dazu benutzt, Uneingeweihte hermetisch auszuschließen. Bekanntlich ist es nicht damit getan, alle komplizierten soziologischen Begriffe nachzuschlagen. Der Sinn, so es ihn gibt, erschließt sich nur über den Zusammenhang. Zwar greifen auch Leichte-Sprache-Übersetzer auf Synonymwörterbücher zurück oder auf das verdienstvolle Internetprojekt Hurraki. Das erklärt schwere Wörter, ist allerdings wie Wikipedia von der Mitarbeit seiner Nutzer abhängig. Oder sie nehmen das Wörterbuch für Leichte Sprache vom Netzwerk People First zur Hand. Doch am Ende machen die Mitarbeiter im Übersetzungsbüro eher eine Art Redakteursarbeit. Elisabeth Otto sagt: "Wenn mir ein Text zu abstrakt ist oder ich mich in der Materie nicht auskenne, muss ich auch recherchieren." Dazu kommen Layout, die Wahl der Schrifttypen, Zwischenüberschriften. Mittel, die bei jeder Zeitung oder Zeitschrift helfen zu verstehen.

Und natürlich die Bilder. Parallel zur Festlegung von Regeln entstand eine Ikonografie der hilfreichen Illustration leichter Texte. Das sind mehr oder weniger verbindliche Motive zu allen denkbaren Situationen, von Kommunikation über Liebe und Sex, Gewalt und Bildung bis zu Gesundheit, Verkehr und anderen Themen. Die Lebenshilfe Bremen hat zur Orientierung der Übersetzer ein dickes Buch mit DVD und über 500 Bildern herausgegeben.