"Ohne diese Arbeit zu leben, kann ich mir nicht mehr vorstellen"

"Am schönsten sind diese Momente, in denen ich das Gefühl habe, etwas wirklich Neues zu entdecken. Selbst wenn es nur ein Detail ist, ein Wort, ein Bild, ein Blick vielleicht – und ich interpretiere das in einer Weise, in der es noch niemand vor mir getan hat. Dann erwacht meine Arbeit zum Leben.

Es ist ein großes Privileg, sich täglich mit etwas zu beschäftigen, was man selbst geschaffen hat. Ich promoviere, weil das für mich der Inbegriff selbst bestimmter Arbeit ist, weil mich das Thema begeistert, weil es mir sehr am Herzen liegt. Genau das beeindruckt mich auch an Pasolini und Fassbinder: diese Begeisterung für die Kunst, diese Bedingungslosigkeit, mit der sie dafür gelebt haben.

Beide waren als Schriftsteller und als Regisseure tätig, und ich will herausfinden, welche Wechselwirkungen zwischen den Ausdrucksformen sie kreierten. Ihre Filme und ihre literarischen Werke habe ich schon immer geliebt. Dass es nun mein Job ist, darüber zu forschen, zu schreiben, nachzudenken, bedeutet mir viel. Natürlich habe ich auch mal Durchhänger, aber die akzeptiere ich eher, als dass ich mit aller Macht versuche, sie zu überwinden. Inzwischen kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ist, ohne diese Arbeit zu leben.

Mein Thema ist überall. Vieles, was ich lese, höre, erlebe, sehe ich nun durch eine Art Brille, filtere Verbindungen zu meiner Arbeit heraus, entdecke so neue und überraschende Aspekte. Ich hoffe, dass meine Arbeit nicht nur eine eingeschworene Forschergemeinde interessiert, sondern auch bei anderen Neugierde und Leidenschaft für Pasolini und Fassbinder weckt. Und selbst wenn die Promotion mich beruflich nicht weiterbringen sollte: Ich sehe sie in erster Linie als Chance für mich selbst, nicht beim einmal Gelernten stehen zu bleiben, sondern Gedanken weiterzuentwickeln und zu vertiefen."

Fachbereich: Cultural Studies in Literary Interzones

Thema: Literatur-Film-Beziehungen im Werk von Pier Paolo Pasolini und Rainer Werner Fassbinder