Was ist eigentlich besser: auffallen oder nicht auffallen? Bundestagspräsident Norbert Lammert hat mal sinngemäß gesagt, ein Politiker müsse sich entscheiden: Will er im Rampenlicht stehen, oder will er Macht haben? Lammert meinte, der Drang an die Rampen der Öffentlichkeit vertrage sich in der Regel nicht mit wirklicher Macht. Es wird jeder verstehen, dass diese Kolumne nicht der Ort ist, eine solche Debatte weiter zu vertiefen. Aber sie ist der Ort, die grundsätzliche Frage auf ein anderes Objekt zu richten. Was ist besser für ein Auto: auffallen oder nicht auffallen?

Nun könnte man sagen: Was für ’ne dämliche Frage, werden großartige Autos nicht dafür gebaut, aufzufallen? Ferrari, Porsche, Jaguar, Citroën, Alfa Romeo. Muss man noch mehr sagen? Andererseits: VW Golf. Das erfolgreichste Auto überhaupt, aber ist es schon jemals irgendwo irgendwem aufgefallen? Ich werde diese autophilosophische Frage aber nun wiederum links liegen lassen und von einer Fahrt nach Polen erzählen und besonders von einer Strecke im Stadtgebiet von Stettin, vom Parkplatz vor dem Bahnhof zu einem Ausflugslokal nahe dem Hafen. Zweck der Reise sollte die Begegnung mit einem Unbekannten sein, von dem wir nur wussten: eine komplexe Persönlichkeit mit akuten, sehr komplexen Problemen. Der Mann hatte Sorge, dass wir möglicherweise die Polizei im Schlepptau hätten, daher seine Anweisung, erst zu dem einen Ort in Stettin zu fahren, dann zum nächsten, und er werde schließlich entscheiden, ob er auftauchen werde.

Mein Testwagen, den ich genau zu dieser Zeit fuhr, war ein BMW 120d Cabriolet. Mit einem Kollegen, der mich begleitete, stand ich nun vor der Frage: Wie wird unser Mann reagieren angesichts des sehr auffälligen Wagens? Macht das Auto alles kaputt oder gerade nicht? Um die Spannung nicht zu übertreiben: Wir nahmen den BMW, wir fuhren durch Stettin, und am Ende stand der Mann vor uns, und alles ging gut.

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Ach, noch ’ne letzte Frage: Werden mehr auffällige Autos gestohlen als nicht auffällige? Eine Antwort versuchte ein Autoschieber: Er wollte eine Luxuslimousine loswerden und ließ sie in einer großen italienischen Stadt auf dem Parkplatz vor dem Bahnhof stehen, nicht abgesperrt, mit steckendem Schlüssel. Nach einer Woche kehrte er zurück – und das Auto war immer noch da.

Technische Daten 

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 130 kW (177 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,1 s
Höchstgeschwindigkeit: 222 km/h
CO2-Emission: 132 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,0 Liter
Basispreis: 34.650 Euro

Stephan Lebert leitet das Investigativ-Ressort der ZEIT