ZEITmagazin: Frau Poots, die meisten Schauspieler geben nicht gern Interviews. Ihr Vater ist Fernsehjournalist und hat unter anderem mit der englischen Interviewer-Legende David Frost gearbeitet. Bei Ihnen muss man also keine Angst haben, dass Sie bei unliebsamen Fragen das Interview abbrechen.

Imogen Poots: Zumindest habe ich von meinem Vater gelernt, dass Interviews, wenn sie unterhaltsam sein sollen, nie steril sein dürfen, sondern am besten kontrovers.

ZEITmagazin: Gut. Reden wir über Ihre Brüste. Für den US-Film Fright Night, in dem Sie einen Vampir spielten, mussten Sie vor ein paar Jahren einen Spezial-BH tragen, weil Ihre Brüste angeblich zu klein sind.

Poots: Na ja, ich sollte eben aussehen wie ein sexy Vampir, und dazu fehlte mir gewissermaßen das Werkzeug. Ich dachte mir, ist doch egal, ich mache da jetzt einfach mit. Aber mir macht das Leben mit kleinen Brüsten mehr Spaß.

ZEITmagazin: Waren Sie nicht beleidigt?

Poots: Es ist einfach langweilig, so was zu hören. Ich hätte mich auch weigern können, so einen BH zu tragen. Aber an Fright Night gefiel mir, Teil dieses uramerikanischen Films zu sein, eines Remakes einer Achtziger-Jahre-Horrorkomödie. Der Regisseur Craig Gillespie, übrigens Australier, ist tief in seinem Herzen Künstler, Fright Night ist also ein kommerzieller US-Film in den Händen von jemandem, der sonst Arthouse-Kino macht. Da wollte ich unbedingt dabei sein.

ZEITmagazin: In einigen Filmen wie Solitary Man mit Michael Douglas oder Saiten des Lebens spielten Sie die klassische Lolita-Rolle. Eine junge Frau wird von einem alten Mann verführt. Nervt das nicht?

Poots: Oh nein, ich wollte diese Rollen zu 100 Prozent! Ich habe sehr hart dafür gekämpft, sie zu bekommen. Aber natürlich liegt es am Regisseur, wie er diese Dynamik inszeniert.

ZEITmagazin: Jetzt spielen Sie in der Komödie A Long Way Down. Mussten Sie Regisseur und Produzenten erst überzeugen, dass Sie das überhaupt können?

Poots: Das Besondere an Komödien ist ja, dass man Situationen lustig findet, die eigentlich gar nicht lustig sind. Ich hatte diese – ich nenne es mal – nervöse Energie schon als Kind: Ich hatte immer Angst, in den unpassendsten Momenten loszulachen. Wenn zum Beispiel ein anderes Kind erzählt hat, dass sein Haustier gestorben war, hatte ich den totalen Horror, weil ich befürchtete, zu lachen, wenn andere weinen. Wir sind darauf konditioniert, auf bestimmte Weise zu reagieren. Aber das Unvorhersehbare ist doch das eigentlich Spannende. Die Figur der Jess, die ich in A Long Way Down spiele, tut bestimmte Dinge nur, um die anderen zu provozieren und eine ungewöhnliche Reaktion hervorzukitzeln. Das finde ich super.

ZEITmagazin:A Long Way Down ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Nick Hornby. Es geht um vier Menschen, die an Silvester auf einem Hochhausdach aufeinandertreffen und sich in den Tod stürzen wollen. J. J., gespielt von Aaron Paul, sagt den wunderbaren Satz: "Schmerz macht mir nichts aus, es ist die Hoffnung, die mich umbringt."

Poots: Ja, der ist so gut! Es gibt nichts Schlimmeres als jemanden, der sagt: "Hey, ich habe einen großartigen Tag", obwohl er beschissen läuft. Bei zu viel grundlosem Optimismus kann einem auch schlecht werden.