Es ist der Horror der Pubertät: zwei Jungs vor dem Rechner, Cola, Chips und Energydrinks, auf dem Bildschirm ein Gangsterspiel. Kein Bock auf Schule, Hausaufgaben, auf die emsige Pädagogik der Eltern. So präsentiert sich der Alltag von Heiko und Roman Lochmann im Internet.

Auf YouTube nennen sich die 14 Jahre alten Zwillinge Die Lochis und sind deutschlandweit berühmt: Über 600.000 Abonnenten hat ihr eigener Kanal, fast neunzig Millionen Mal wurden ihre Videos in den letzten Jahren geklickt. Jeden Samstag, um 14.30 Uhr, laden sie ein neues hoch: selbst komponierte Lieder, Parodien auf Hits, Telefonstreiche. Auf dem Sofa sitzend, beantworten sie Fragen, die Fans ihnen auf Twitter stellen. "Wir klären auf", nennen sie dieses Format. Zwei Jungs, mitten im Transitbereich zwischen Kindheit und Pubertät. Zwei dieser neuartigen Stars, die oft als YouTube-Phänomen bezeichnet werden.

"Viele in unserem Alter können sich halt mit diesen Themen identifizieren", sagt Heiko, grauer Kapuzenpulli, die Haare nach oben gegelt. "Aber wir arbeiten natürlich auch viel mit Ironie und Sarkasmus", sagt Roman, blauer Pulli, Justin-Bieber-Frisur.

Ein weißes Reihenhaus in einer Kleinstadt, zwanzig Minuten von Frankfurt am Main entfernt. Im Flur stehen zwei schwarze Skateboards, im ersten Stock gibt es ein Arbeitszimmer. Zwei Computer, ein riesiger Bildschirm, großes Sofa. Bei Heiko und Roman ist alles perfekt aufgeräumt. Keine Chipskrümel, keine leeren Dosen.

Nur als Lochis dekonstruieren die Brüder das Ideal des guten, braven, verständnisvollen Kindes. Woche für Woche bieten sie einen weiteren Einblick in die Phase pubertärer Monsterwerdung: Die reine Kinderhaut weicht den Pickeln, die Stimmen werden brüchig. Hier singt keine Boyband, sondern der durchschnittliche, von Eltern, Welt und Schule genervte Jugendliche.

"Durchgehend online" heißt der größte Hit der Zwillinge

"Meine Mom checkt’s net, für sie ist alles Hightech", verzweifeln die Lochis am digitalen Graben, der durch die Familie geht. In ihren Clips erscheinen Eltern und Lehrer als verständnislose nörgelnde Erwachsene, die nicht wissen, wie man ein Smartphone bedient. "Damals gab’s kei Internet", hesselt die Mutter, im Sketch gespielt von einer Freundin der Brüder. "Ich geh auf YouTube, mach den Laptop an, die Onlinegeneration klopft an!", schleudern die Lochis den Älteren zu stressigen Beats entgegen. Die Vokale ziehen sie dabei lang, als hätten sie die Sätze schon tausendmal gesagt. Ein Gesang wie ein Augenrollen.

Durchgehend online heißt ihr größter Erfolg, auf YouTube fast sechs Millionen Mal geklickt. Eine Hymne für die Generation der Digital Natives, für die das Internet so normal ist wie Gummibärchen und Cola.

In dem Video spielen die Lochis mit Codes, medial tradierten Schnipseln, die nur versteht, wer wirklich durchgehend online ist. Bei ihrer Mash-up-Kunst arbeiten sie mit Anspielungen auf andere YouTube -Hits wie den Gangnam Style des koreanischen Rappers Psy oder mit Coverversionen, zum Beispiel des Songs Somebody That I used To Know des Sängers Gotye.