Endlich erwacht auch in Österreich die Zivilcourage. Es konnte auch gar nicht anders kommen angesichts des schäumenden Unrechts, das dem Land bevorsteht. Es soll die Schaumweinsteuer angehoben werden, und um diese Ungeheuerlichkeit zu verhindern, schlossen sich illustre Persönlichkeiten zu einer Plattform zusammen. Unglaubliche 75 Cent pro Flasche beträgt der unsoziale Zuschlag. Sollen denn dann alle auf schlabberigen Prosecco ausweichen müssen, der so wenig Druck in die Flasche bringt, dass er bloß von älteren Matronen als passables Getränk angesehen wird? Man wird wohl Frizzante-Süffler sagen, wenn man Warmduscher meint. Zu Recht aber plädiert die Chefin der Spanischen Hofreitschule dafür, alle Alkoholika gleich zu behandeln. Plötzlich begreift man, wie die edlen Rösser es schaffen, stets so aufgeweckt und prickelnd vor Touristen herumzutänzeln. Das dürfte den wachsamen Augen der Tierschützer bislang entgangen sein. Auch ein Aufsichtsrat der Bank Austria bereichert das Sprudel-Komitee. Seine Beweggründe sind klar. Wenn Sekt künftig als Luxusgut gilt, dann wird man in so mancher Chefetage wohl oder übel auf schnöden Bordeaux Premier Cru zurückgreifen müssen. Auch die Organisatorin des Opernballs wirft sich mit der ihr eigenen Verve in die Schlacht. "Warum soll das Feiern mit heimischem Sekt gerade auf den traditionsreichen Bällen teurer werden?", fragt sie und schüttelt empört ihr Haupt. Will man denn den Menschen ihre letzten Vergnügen rauben? So ein Ballbesuch gehört in Wien zu den Menschenrechten, und wenn es walzt und schnalzt, dann müssen auch die Korken krachen bis ins Morgengrauen. Wer plant, Sekt zu verteuern, der fällt der Tradition in den Rücken und verübt einen heimtückischen Anschlag auf die Gemütlichkeit. Sekt breitet einen sanften Schleier der Vergebung über die Wahrnehmung. Er ist ein Trostspender bei jedem steifen Empfang. Abgesehen von seiner familienfreundlichen Funktion. Wer weiß, wie viele ohne ihn nie das Licht der Welt erblickt hätten. Daher: Gratissekt für alle! Alles andere wäre ein Angriff auf den Fortbestand der österreichischen Leitkultur.