Auch wenn Briten und Amerikaner noch nie viel mit Franzosen anfangen konnten, ist es doch erstaunlich, wie die angelsächsischen Medien seit Monaten auf Frankreich einprügeln. Da heißt es, es gebe einen Massenexodus nach London, die Steuern seien die höchsten der Welt, und ein Liter Milch koste schon 4 Euro.

Im Januar ist der französischen Botschaft in London dann der Kragen geplatzt. Sie veröffentlichte eine Richtigstellung zu zehn Falschaussagen, die sich als besonders hartnäckig erweisen. Auch Le Monde sah sich genötigt, eine Replik auf den Beitrag "Der Niedergang Frankreichs" im amerikanischen Onlineportal The Daily Beast zu veröffentlichen. Die Berichtigungen sind mit Statistiken gespickt (Tiefere Steuern als in Großbritannien! Ein Liter Milch kostet nur 1,50 Euro!), doch alle Zahlen und der sarkastische Ton der Mitteilung mögen nicht verbergen, was dahintersteckt: Verzweiflung. Warum nur wird unsere Grande Nation so kleingemacht?

Doch quelle chance, schon eilt der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman herbei, Frankreich gegen seine Kritiker zu verteidigen. Der Amerikaner machte in der New York Times eine "Verschwörung gegen Frankreich" aus. Grund für das Komplott: der Widerstand der Franzosen gegen die angelsächsische Austerität. Ihre Weigerung, die globalisierte englischsprachige Kultur anzuerkennen. Das derart aufgebesserte Selbstvertrauen verleitete eine französische Politikerin prompt dazu, London einen Vorort von Paris zu nennen. Damit sind die Verhältnisse wiederhergestellt, und Paris kann wieder dazu übergehen, die Affären des Präsidenten zu ignorieren.