Die Bundesliga liebt Zahlen. Längst reicht das nackte Ergebnis nicht mehr aus, um den Verlauf einer Begegnung zu erklären. 185 Mal hat Bayernspieler Thiago Alcantara in einer Partie gegen Frankfurt den Ball berührt – das ist Rekord! Die versammelte HSV-Mannschaft hingegen lief beim Spiel gegen Hoffenheim 8,6 Kilometer weniger als der Gegner. Das waren die Topdaten des vergangenen Wochenendes.

Der Mainzer Manager Christian Heidel hat eine eigene Statistik gebastelt. Seitdem Nachwuchs trainer Thomas Tuchel vor vier Jahren die Mannschaft übernahm, belegt der Verein nach seiner Rechnung den sechsten Platz der Liga – vor den Großclubs aus Stuttgart, Hamburg und Bremen.

Ob Stefan Reuter, Heidels Pendant beim FC Augsburg, ebenfalls Statistiken führt, ist unbekannt. Fest steht: Seit der Partie gegen den FC Bayern am 9. November hat Augsburg kein Spiel mehr verloren. Noch kann niemand sagen, ob die aktuelle Entwicklung wirklich Substanz hat.

Die Momentaufnahme ist erstaunlich genug. Während die ehemals Etablierten mit der Diskrepanz aus Anspruch und Wirklichkeit ringen und sich in stetiger Selbstbeschäftigung verlieren, gelingt es in Mainz und Augsburg, mit einfachen Mitteln Mannschaften aufzubauen.

Fernab des medialen Interesses hat sich eine besondere Geschlossenheit gebildet, die in beiden Fällen den gesamten Verein durchzieht. Die entscheidenden Protagonisten, Ex-Weltmeister Stefan Reuter und Christian Heidel, nehmen sich dabei wohltuend zurück.

Diese Ausgangsposition gibt den Trainern absolute Autorität, um in Ruhe ein Team nach ihren Vorstellungen zu formen. Dabei setzen sie vor allem auf die Spieler, die ihre Motivation aus dem Bewusstsein ziehen, dass ihre Existenz vom Erfolg abhängig ist. Auch wenn es nostalgisch klingt, der Teamgeist macht den Erfolg des Einzelnen aus. Und die Trainer besitzen die Kompetenz, dieses Bewusstsein zu vermitteln.

Vermutlich wird kaum ein Augsburger Spieler auf dem Einkaufszettel eines der strauchelnden Traditionsclubs stehen. Dort folgt die Personalpolitik oft einer überzogenen Sehnsucht nach spektakulären Namen. Neueinkäufe sollen häufig als Befreiungsschlag herhalten, wenn der Druck auf die Verantwortlichen zu groß wird. Die Verlockungen der Einflussfaktoren sind enorm, und so mancher Spieler oder Trainer sprengt das Teamgefüge dadurch, dass er sich für größer hält als den Verein.

Mainz und Augsburg werden gerne dabei zuschauen.