Sommer 2006, zu Besuch bei Hans Werner Henze in Italien, die deutsche Erstaufführung seiner Oper Gogo no Eiko steht bevor. Sie hätten eine Standleitung zu Gerd Albrecht in Stuttgart gelegt, feixt Henze und zieht mich ans Telefon. Der Dirigent am anderen Ende redet ohne Punkt und Komma: über die Atemlosigkeit der Musik, über Vaterhass, Homosexualität und anderes Autobiografisches in der Partitur. Und dass Gogo no Eiko Henzes zornigstes Stück sei. Damit könnte er recht haben, grummelt der Komponist.

Gerd Albrecht, 1935 in Essen geboren, bekleidete Positionen in Lübeck, Kassel, Zürich, an der Hamburgischen Staatsoper und in Prag. Verstanden hat er sich früh auch als Musikvermittler, in Gesprächskonzerten, im Radio, in der Jugendarbeit. Aus dem Gedächtnis gefallene Komponisten wie Schreker, Schoeck oder Ullmann lagen ihm am Herzen, ebenso (fast) alles Neue. Mit Uraufführungen wie Wolfgang Rihms Eroberung von Mexiko oder Helmut Lachenmanns Mädchen mit den Schwefelhölzern schrieb er zwischen 1988 und 1997 an der Seite von Peter Ruzicka in Hamburg Musikgeschichte. Am Sonntag ist Albrecht 78-jährig in Berlin gestorben.