Was haben Jane Fonda, Dennis Hopper und neuerdings auch Justin Bieber gemeinsam? Sie alle wurden irgendwann von einem Polizeifotografen für ein Fahndungsbildchen abgelichtet; Fonda 1970 wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Polizisten, Dennis Hopper 1975 wegen Fahrerflucht, Bieber vor zwei Wochen wegen Alkohol am Steuer.

Der Fachausdruck für diese Art von Aufnahmen lautet recht uncharmant mug shot: von shot für "Schnappschuss" und mug für "Schnauze" (oder "Fresse"). Die Porträttechnik – meist

wird ein Bild von vorn und eines von der Seite gemacht – geht auf die Fahndungsplakate des Wilden Westens zurück, man erkennt die Tradition noch an den Namen der Internetseiten, auf denen die prominenten Gesetzesbrecher versammelt sind. Auf thesmokinggun.com etwa kann man nicht nur die bemerkenswert rotzig aussehende Jane Fonda bewundern, sondern auch einen mageren jungen Streuner namens Frank Sinatra, der 1939 wegen Herumziehens mit einer verheirateten Frau aufgegriffen wurde. Er sieht unglücklich, aber keineswegs so desorientiert aus wie Nick Nolte, der 2011 wegen Fahrens unter Drogeneinfluss verhaftet wurde. Mit wild gesträubtem Langhaar und einem schrill-bunten Hawaiihemd (wahrscheinlich das bei Weitem verdächtigste Detail) erinnert er an einen leicht geistesgestörten, jedenfalls schwer zugedröhnten Dealer.

Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen. © Frazer Harrison/​Getty Images

Die Liste der prominenten mug shots ist lang; fast scheint es für einen echten Star unerlässlich, irgendwann sein polizeilich beglaubigtes Schnauzenfoto zu bekommen. Jetzt hat es sogar Justin Bieber geschafft, und er guckt so zufrieden und stolz, als habe er soeben eine Reifeprüfung bestanden. Willkommen im Club!

Indes wird die exklusive Runde keineswegs nur von Künstlern bevölkert. Es gibt auch mug shots von Stalin und Lenin, die noch vor der Oktoberrevolution von der zaristischen Polizei angefertigt wurden. Die späteren Heroen der Partei zeigen unverhüllt den Charakter der kleinen Gauner und Abenteurer, die sie wohl waren, bevor sie ihre kriminelle Energie auf welthistorische Dimensionen bringen konnten. Man fragt sich, warum es internetaffine Teenies unserer Tage so ersprießlich finden, ihre armseligen Selfies in mug shots zu verwandeln, aber sie tun es, und zwar mit einer Begeisterung, die inzwischen einen ganzen Geschäftszweig im Netz ernährt. Vielleicht hoffen sie, auf diese Weise, wenn schon nicht Stalin oder Sinatra, so doch ein Justin Bieber werden zu können.