Da können Jeff Koons und all die anderen Markt-Koryphäen der zeitgenössischen Szene noch so oft und noch so lautstark verkünden, sie seien begeisterte Sammler Alter Meister. Es wird niemals etwas an der Tatsache ändern, dass dieses Segment des Markts sich auch weiterhin als solide und robust erweist. Hier wird nichts lanciert, hier gibt es nur geringfügig modische Schwankungen, die sich bisher jedoch immer wieder ausbalanciert haben.

Derzeit lässt sich etwa beobachten, dass sich die üppigen Blumenstillleben nicht mehr sehr gut absetzen lassen. Erfreuen Sie sich also der Blütenpracht noch ein Weilchen, anstatt zu verkaufen, oder kaufen Sie jetzt, die Preise könnten bald wieder, freilich in Maßen, anziehen. Ein kühler, fein austarierter Markt ist das, auf dem trotzdem die Gesetze von Angebot und Nachfrage regieren. Fast noch wichtiger sind Provenienz und Erhaltungszustand. Provenienz meint hier einmal nicht die gesicherten Eigentumsverhältnisse, sondern vielmehr die Biografie eines Bildes. Wer hat es in Auftrag gegeben, in welcher Sammlung war es zu welcher Zeit vertreten, wie häufig hat es den Besitzer gewechselt? Dies und weitere den Lebensweg eines Kunstwerks beschreibende Faktoren sagen weit mehr über seine über die Jahrhunderte tradierte Qualität aus, als unser nur für die Gegenwart maßgebendes Urteil. Hat es im Lauf der Jahrhunderte durch schlechte Lagerung et cetera stark gelitten, wurde es etlichen gut gemeinten, aber vielfach aggressiven Restaurierungsmaßnahmen unterzogen, die eine bedauerliche, oft irreversible Metamorphose des Bildes zur Folge hatten, dann stehen die Chancen auf eine hohe Wertschätzung schlecht.

Die New Yorker Altmeisterauktionen vergangene Woche bei Christie’s und Sotheby’s lieferten auch dieses Mal wieder anschauliche Beispiele, wie und warum ein Kunstwerk des 13. bis 19. Jahrhunderts auf dem Markt "funktioniert". Oder nicht. Zunächst einmal: Die Auktionen liefen gut. Von den insgesamt 26 Losen mit einem Schätzpreis im Millionen-Dollar-Bereich wurden die meisten verkauft. Auch das bei Christie’s am 29. Januar angebotene Spitzenlos, ein herrlich illuminiertes Stundenbuch aus der Blütezeit der Gent-Brügger Schule, das die Nazis den österreichischen Rothschilds entzogen hatten. Die österreichische Nationalbibliothek restituierte es in den neunziger Jahren, 1999 wurde es, ebenfalls bei Christie’s, für (umgerechnet) 8,5 Millionen Euro versteigert und nun dem einzigen Bieter zum Limit von 12 Millionen Dollar (alle Preise ohne Aufgeld des Auktionshauses) zugeschlagen. Ein gutes, haarscharf am Rückgang vorbei erzieltes Ergebnis, das die unaufgeregte Haltung der Sammler in dieser Sparte illustriert. Wer einmal zu teuer eingekauft hat, kann kaum erwarten, dass sich der Preis noch steigert.

Wenn ein Gemälde zu oft restauriert wurde, will es niemand mehr ersteigern

Die marktfrische Anbetung der Hirten von Jacopo Bassano, in bestem Zustand und sogar signiert, sicherte sich ein Telefonbieter bei 7,8 Millionen Dollar und musste dafür ebenfalls nicht über das Limit hinausgehen. Für den Einlieferer war das Geschäft schon im Vorfeld geregelt, er hatte sich das Meisterwerk respektive dessen Verkauf vom Haus garantieren lassen.

Eine schöne und gerechte Aufwertung erfuhr die bis dato nicht publizierte Botticelli-Madonna, die allerdings einige restauratorische Eingriffe hat über sich ergehen lassen müssen und dennoch von 700 000 auf 1,4 Millionen Dollar gehoben wurde. Zuviel des Guten wurde dann aber doch nicht hingenommen, auch wenn Artemisia Gentileschis saftig-barockes Selbstporträt mit huldvollem Lautenspiel warb. Bereits beim Aufruf von 2 Millionen Dollar (Schätzpreis: 3 Millionen) regte sich keine Hand.