Beim Sammeln in seiner ursprünglichen Form geht es ja meist um Nahrhaftes. Mäuse etwa, die ihren Wintervorrat zusammensuchen, Nüsse, Samen, als Sättigungsbeilage auch mal ein Stück Baumrinde. Solche Sammlungen folgen einem Notwendigkeitsgeschmack. Der moderne Mensch indes sammelt anders, das, was er eine Sammlung nennt, folgt meist gerade nicht den Notwendigkeiten, sondern ausgefallenen Wünschen und Träumen.

Von solchen Träumen erzählt auch die Sammlung von Stanley J. Seeger (1930 bis 2011) – sogar Mäuse kommen darin vor. Seeger hatte irgendwann ein Vermögen geerbt, er war von da an ein gern gesehener Käufer auf dem Kunstmarkt. Dabei interessierte er sich ganz offensichtlich nicht oder nicht nur für vorherrschende Moden, sondern auch für die Skurrilitäten des Alltags, für Dinge, die Geschichten erzählen. Er besaß eine vortreffliche Sammlung von Picasso-Gemälden und die größte Sammlung an Manuskripten von Joseph Conrad – beide Sammlungen wurden in der Vergangenheit bei Sotheby’s versteigert. Nun werden in deren Londoner Auktionssaal am 5. und 6. März die sogenannten persönlichen Stücke verkauft. 1000 Objekte sind es, versteinerte Dinosauriereier etwa, ein Cocktailshaker von Al Capone, Orson Welles’ Drehbuchentwurf für Citizen Kane und auch zwei Teekannen. Eine der Kannen ist aus Silber, sie gehörte einst Lord Nelson und wird auf 8000 Pfund geschätzt. Die andere ist aus Ton und viel günstiger, wird nur auf 100 Pfund taxiert: Die Kanne stammt aus dem China der 1980er Jahre. Sie hat die Form einer Maus, und auf ihrem Deckel sitzt noch eine kleine Maus, und sie erfüllt sicherlich ihren Zweck. Man könnte in ihr einen Tee zubereiten und dann beim Trinken über die Leidenschaften und die Zwänge des Sammlers nachdenken.