Die Frage: Seit ihr zweites Kind im Kindergarten ist, hat sich Alexandra mit viel Mühe in eine Halbtagsstelle zurückgekämpft. Ihr Ehemann Norbert unterstützt sie, so gut es geht; allerdings muss er für manche Projekte wochenlang verreisen. Norbert hat schon einmal angedeutet, dass er sich nichts mehr wünscht als etwas von dem Glanz der Erotik aus früherer Zeit. Alexandra sagt meist, sie sei zu müde; manchmal gibt sie auch nach. Als sie auf einer Party mit einem gemeinsamen Freund knutscht, ärgert sich Norbert sehr. Er wird den Verdacht nicht los, dass dieser Mann genau die erotische Aufmerksamkeit bekommt, die er sich so wünscht. Alexandra hütet ihr Handy, aber Norbert erwischt es doch – alle Kurznachrichten gelöscht. Soll er den Freund zur Rede stellen? Soll er Alexandra fragen?

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Norbert ist auf einem gefährlichen Weg. Er sollte auf jeden Fall die Finger von Alexandras Handy lassen, sosehr es ihn jucken mag. Wenn er dort nichts findet, wird das seinen Verdacht nicht zerstreuen. Und wenn er zum Spürhund wird, entfernt er sich immer weiter von dem vergrabenen Schatz, den er doch eigentlich heben will. Und wenn es ihm gelingt, Alexandra zu ertappen, wird die Folge vermutlich eine Diskussion darüber sein, ob der Seitensprung den Detektiv rechtfertigt oder der Detektiv den Seitensprung. Vielleicht kann er erst herausfinden, was es ihm so schwer macht, mit Alexandra über die berechtigte Sorge zu sprechen, dass sie einander im Dschungel von Kindergeschrei, Elternabend und Heizungsreparatur verlieren. Und was sie dagegen tun können.