DIE ZEIT: Herr Glück, viele Limburger Katholiken haben offen gegen ihren Bischof opponiert und hoffen nun auf einen neuen. Würden Sie an seiner Stelle zurückkehren?

Alois Glück: Ich würde mich fragen, ob die notwendige Vertrauensbasis für eine wirksame Arbeit gegeben ist. Wahrscheinlich muss der Papst entscheiden. Alle Beteiligten sollten abwarten.

ZEIT: Das Kirchenvolk hat sich aber eine eigene Meinung gebildet, und der Papst hat es dem Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst überlassen, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Hat er eine Chance?

Glück: Ich persönlich möchte dem Bischof keine Ratschläge erteilen. Im Moment müssen wir die Spannung aushalten, dass niemand den Bericht der Untersuchungskommission kennt.

ZEIT: Mit dem päpstlichen Gesandten Lajolo wurde vereinbart, diesen Bericht offenzulegen. Warum weiß man bislang so wenig über die Arbeitsweise der Untersuchungskommission? Ist das nicht ein wenig klandestin, vor allem angesichts des Vorwurfs der Intransparenz gegenüber dem Bischof?

Glück: Ich finde es richtig, dass die Kommission verschwiegen arbeitet, bis der Bericht komplett fertiggestellt ist. Alle Teilergebnisse würden nur zu einer Einflussnahme von außen führen. Wichtig ist, dass nach Abschluss des Verfahrens Transparenz hergestellt wird, sonst blühen die Verschwörungstheorien. Aber die Reihenfolge im kirchlichen Entscheidungsprozess muss eingehalten werden: Zuerst urteilt Rom.

ZEIT: Das Urteil des Kirchenvolkes ist egal? Ist es also unkatholisch, wenn die Laien sagen, sie wollen ihren Bischof nicht zurück?

Glück: Den Unmut muss man ernst nehmen. Ich gehe davon aus, dass die übereinstimmende Position von Domkapitel, Priesterrat und Diözesanrat der Katholiken, eine einmalige Konstellation, in Rom entsprechend große Beachtung findet.

ZEIT: Der Papst wird sich damit auseinandersetzen müssen, dass die Katholiken mehr Mitsprache verlangen, neuerdings auch bei der Bischofswahl. Finden Sie das legitim?

Glück: Ja, das ist eine legitime Forderung. Das Berufungsverfahren für Bischöfe ist ein ganz anderes Kapitel als eine Absetzung. Es gibt verschiedene Wege, den Kreis der Beteiligten an einer Auswahl der Bischöfe zu erweitern. Man kann zwar keine Volkswahlen veranstalten, aber es gibt synodale Strukturen der Beteiligung, und die können wir stärker nutzen.

ZEIT: In Limburg geht es nicht nur um Baufinanzen, sondern auch um kirchlichen Autoritarismus, der die Kirchenbasis provoziert. Was muss sich nach dem Fall Tebartz grundsätzlich ändern?

Glück: Es bleiben eine Reihe nachvollziehbarer Fragen der Laien, sie betreffen die kirchlichen Gremien, die Transparenz der Finanzen und auch das Verhältnis von Kirche und Staat. Ich hoffe sehr, dass diese Fragen nicht ad acta gelegt werden. Wir Katholiken wollen den Wandel nicht passiv erleiden, sondern aktiv gestalten.

ZEIT: Wo ist zuerst ein Wandel nötig?

Glück: Ich wünsche mir, dass wir zu transparenten und einheitlichen Finanzstrukturen kommen, damit die Situation der Bistümer vergleichbar wird. Bisher ist es überall ganz verschieden. In Stuttgart beispielsweise ist der Diözesanrat voll an allen Entscheidungen des Bischöflichen Stuhls beteiligt. Anderswo nicht. Das Problem an Limburg ist auch: Das eine Beispiel steht plötzlich fürs Ganze. Es ist aber nicht überall in der katholischen Kirche wie in Limburg.

ZEIT: Wie lässt sich in der absoluten Wahlmonarchie katholische Kirche das autoritäre Gebaren von hohen Klerikern ändern?

Glück: Die Führungskultur in unserer Kirche muss sich ändern. Aber das betrifft nicht nur Bischöfe. Es gibt partnerschaftliche und autoritäre Führungsstile an der Spitze der Bistümer. Und das Autoritäre färbt manchmal auch auf Laien ab, sobald sie in kirchlichen Einrichtungen Ämter bekleiden. Es liegt nicht alles am System. Es liegt auch an den einzelnen Menschen.