Als ich vor Kurzem wieder einmal auf dem Limburger Domberg stand, wurde mir bewusst, welche Tragik sich hinter diesen Mauern verbirgt. Hier geht es um einen Mann, der überfordert war, der anscheinend seine eigenen Mitarbeiter nicht ernst nahm, der öffentlich log und es nun nicht schafft, seine Fehler einzugestehen. Wenn ich Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht als Amtsträger, sondern als Mensch betrachte, tut er mir leid. Was wird aus ihm werden?

Jene hochrangigen Geistlichen, die jetzt den Bischof in seiner Verblendung noch ermutigen, handeln sträflich. Eine Pastoralreferentin sagte mir: "Inzwischen verstehe ich, warum der Bischof so uneinsichtig ist. Er soll ja von deutschen Würdenträgern in Rom bestärkt werden, die alles verharmlosen. Sie versündigen sich an dem Mann."

Was ist in Limburg schiefgelaufen? Nach dem Weggang des menschennahen Bischofs Franz Kamphaus hatte Papst Benedikt Ende 2007 den konservativen Franz-Peter Tebartz-van Elst zum Bischof ernannt. Das Domkapitel wählte ihn, obwohl die Mitglieder nur seine Publikationen kannten, nicht ihn persönlich. Das hatte Konsequenzen.

Zunächst gab es eine große Bereitschaft, mit dem neuen Bischof zu arbeiten, denn es standen schwierige Aufgaben an. Alle sollten sparen und zugleich erneuern. Meine Gemeinde zum Beispiel sollte 11 000 Euro zusätzlich aufbringen, weil Zuschüsse vom Bistum wegfielen. Ich schrieb damals an alle wahlberechtigten Gemeindemitglieder einen Bettelbrief. Das war kurz vor Weihnachten 2007. Kaum war der Brief bei den Gläubigen angekommen, kam der Donnerschlag aus den bischöflichen Behörden: Es sollte ein neues Bischofshaus gebaut werden für fünf bis sechs Millionen Euro. Die Reaktion der Gläubigen: Staunen, Unverständnis, Frust, Zorn. Ich habe damals als Erster gegen den Bau protestiert.

Bald war vom Geist der Befreiung, der das Bistum seit den sechziger Jahren geprägt hatte, nichts mehr zu spüren. Die Bistumsführung regierte autoritär. Kritik war unerwünscht, ein Klima von Angst und Verschwiegenheit machte sich breit. Nur der Bischof wusste, was für das Bistum gut war.

Heute wissen wir, dass er das Bistum in die Krise geführt hat. Unsere Kontrollgremien haben versagt, am meisten wohl der Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls. Plötzlich war alles geheim, es gab überhaupt keine Transparenz mehr.

Jetzt fragen alle: Wäre das verlorene Vertrauen durch Tebartz selbst wieder herstellbar? Ich glaube, dafür ist es inzwischen zu spät. Es geht hier nicht zuerst um die 30 bis 40 Millionen, die für den Bischofsbau auf dem Domberg ausgegeben wurden. Das große Übel war, dass alle Kontrolle durch den Bischof und seinen damaligen Generalvikar Kaspar ausgehebelt wurde. Mir wird fast täglich von Limburgern gesagt oder geschrieben: Das Vertrauen sei zerstört. Ich habe den Eindruck, dass der Bischof immer noch nicht verstanden hat, wie tief gehend der Vertrauensverlust ist.

Im Codex des kanonischen Rechts heißt es über den Hirtendienst eines Diözesanbischofs, er solle sich um alle Gläubigen kümmern, er solle die Einheit in Verschiedenheit herstellen. Mit den Worten von Papst Franziskus: "Geistliche müssen sich als Hirten mitten unter die Herde mischen und den Geruch der Schafe annehmen." Sonst werden sie zu "traurigen Priestern" ohne Kontakt zu den Menschen. Für mich ist Franz-Peter Tebartz-van Elst ein trauriger Priester. Wer soll nun Einheit stiften in unserem Bistum? Der Bischof selbst hat es gespalten.

Es war sicher nicht leicht, Nachfolger des beliebten Franz Kamphaus zu sein. Er hätte alles daransetzen müssen, auf die Menschen zuzugehen, Seelsorger zu sein.

Das Bistum Limburg ist heute eine Touristenattraktion geworden mit Bischofsknödel und Bischofspizza, Häme und Sensation. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist der Schaden an der Kirche. Kritisch denkende Mitarbeiter wurden kaltgestellt, fristlos gekündigt oder anderswie gemaßregelt. Mich schmerzt am meisten, dass viele Menschen die Kirche verlassen haben wie ein sinkendes Schiff.

Wie sollte ein neuer Bischof für Limburg sein? Bischof Kamphaus sagte es so: "Mach’s wie Gott, werde Mensch!"