Microsoft hat eine neue Führungsspitze. Der 46-jährige Satya Nadella wurde vom Aufsichtsrat zum neuen Vorstandsvorsitzenden berufen, teilte das Unternehmen aus Redmond am Dienstag mit. Der im indischen Hyderabad geborenen Nadella ist nach Firmengründer Bill Gates und dessen Weggefährten Steve Ballmer erst der dritte Vorstandschef in der Geschichte des 1975 gegründeten Technologiekonzerns. Ballmer bezeichnete seinen Nachfolger als "bewährte Führungskraft mit starken technischen Fähigkeiten".

"Ich bin ein Lernender", sagt Nadella über sich selbst. Bevor der dreifache Familienvater vor 22 Jahren zu Microsoft kam, hatte er schon in Indien Elektrotechnik sowie Informatik und Betriebswirtschaft in den USA studiert. In Redmond machte Nadella schnell Karriere, verantwortete zuletzt das Firmenkundengschäft und die Sparte mit den Cloud-Diensten. Dabei geht es um die Verarbeitung riesiger Datenmengen in Rechenzentren – eine Voraussetzung für die effektive Nutzung von mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets. In einer ersten Videobotschaft sprach Nadella von einer voll digitalisierten Welt und den Grundsätzen mobile first, cloud first. Damit deutete er zugleich an, wohin er Microsoft führen will. Der Konzern hatte zuletzt einige Schwierigkeiten: Das globale Geschäft mit Personal Computern ist zwar die Basis für viele Microsoft-Produkte wie das Betriebssystem Windows oder die Bürosoftware Office, doch es läuft schleppend. Stattdessen wächst der Markt für mobile Geräte, auf denen Microsoft bislang aber kaum vertreten ist. Um das zu ändern, hat der Konzern die Handyproduktion des finnischen Konzerns Nokia übernommen. Seit dem vergangenen Jahr steckt Microsoft nun in einer Umbauphase, will gleichermaßen zum Anbieter von "Dienstleistungen und Geräten" werden (ZEIT Nr. 47/13). Im Zentrum stehen Nokia-Smartphones, das Tablet namens Surface sowie die Spielekonsole Xbox One, über die Microsoft noch mehr digitale Dienste anbieten will als bislang. "Unsere Industrie respektiert keine Traditionen, sondern nur Innovationen", sagte Nadella.

Bei seinen wenigen öffentlichen Auftritten wirkte der Manager ruhig und bescheiden, fast unscheinbar und damit ganz anders als Ballmer, der oft emotional und polternd daherkam. Ballmer, dem strategische Fehler vorgeworfen wurden, hatte im vergangenen Sommer seinen Rückzug innerhalb eines Jahres angekündigt. Es folgte eine 165 Tage dauernde Chefsuche, an deren Ende sich abzeichnete, dass Microsoft den Chefposten intern vergeben würde.

Nadella gilt als Protegé von Firmengründer Gates. Der zählt ebenso wie Ballmer nach wie vor zu den größten Aktionären von Microsoft. Beide werden auch künftig dem Aufsichtsrat angehören. Gates gibt seinen Posten als Vorsitzender des Gremiums jedoch an John Thompson ab, der die Suche nach dem Vorstandschef leitete.

Nadella hat auch schon eine neue Aufgabe für Gates gefunden. "Ich habe Bill gebeten, mehr Zeit im Unternehmen zu verbringen und sich um Technologie und Produkte zu kümmern", ließ er die Belegschaft per E-Mail wissen. Prompt kündigte Gates an, die Rolle des Technologieberaters liebend gern übernehmen zu wollen. "Das wird Spaß machen", erklärte er per Videobotschaft. Und dass der legendäre Firmengründer einer Bitte des neuen Chefs folgt, darf als klare Botschaft an all jene interpretiert werden, die zuletzt darüber gerätselt hatten, wer bei Microsoft künftig denn wohl das Sagen haben würde: Gates, Ballmer oder der Neue.