Hart und unbarmherzig ist der Winter, und wenn das Eis den Boden bedeckt, dann leiden unsere gefiederten Freunde. Bei Vögeln ist das nämlich wie bei Menschen: Wer sich nicht rechtzeitig in den Süden absetzt, muss eben bis zum Frühling durchhalten. Aus Solidarität streuen Tierfreunde manchmal eine Handvoll Körner ins Vogelhäuschen. Das ist sehr rücksichtsvoll und freut Vögel ebenso wie Katzen – weil dann beide genau wissen, wo es was zu fressen gibt.

Auch ich beschloss, den Tieren zu helfen, und besuchte eine Filiale der Gartenmarktkette Pflanzen-Kölle. Dort stellte sich schnell ein Gefühl von Überforderung ein. Denn das "Wildvogel-Futter" der Hausmarke Kölles Beste gab es in einer so absurden Vielfalt, wie ich sie bis dahin nur von Müslimischungen kannte. Was nun? War das "Energie-Futter" angemessen? Sollte ich für die Vögel das "Frucht-Menü" nehmen? Oder die Mischung "Früchte-Traum"? Es gab auch Erdnüsse – allerdings in den Varianten ganz und geviertelt, wobei ich vergessen habe, ob letztere quer oder längs geschnitten waren. Oder wäre ein Beutel "Protein-Menü" besser? Die Auswahl war sogar so groß, dass ich schließlich die Suche aufgab und mich stattdessen fragte, wer bei Kölle eigentlich Vögel hat. Und wie viele.

Ich weiß ja nicht einmal, ob Vögel überhaupt träumen und, wenn doch, ob es sich dann um "Früchte-Traum"-Träume handelt. Sicher ist hingegen, dass wir Menschen in einer Konsum- und Überflussgesellschaft leben, in der selbst der simpelste Kram noch mit Bedeutung und Lifestyle aufgeladen wird. Da jetzt auch Vögel mit reinzuziehen, finde ich echt gemein. Wetten, dass es im nächsten Winter das Vogelfutter auch gluten- und laktosefrei gibt? Aber ohne mich. Ich werde dann im Süden sein. In einem fernen Land ohne Eis und Schnee. Und ohne Gartenmärkte.