Auf den ersten Blick ist American Hustle eine überdrehte Gangsterkomödie in treffsicher ausgesuchten Siebziger-Jahre-Kostümen. Auf den zweiten Blick handelt dieser bemerkenswert witzige und zugleich anrührende Film von Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Betrug – und dem manchmal schmerzhaften Zusammenhang zwischen ihnen.

"Die Leute sehen, was sie sehen wollen", sagt der Held der Geschichte, der Schwindler Irving Rosenfeld, an einer Stelle. Er besitzt eine Kette von Textilreinigungsläden, aber nebenher verkauft er gefälschte Kunstwerke und vermittelt zwielichtige Kredite. Rosenfeld ist ein von Herzen unehrlicher Mann, aber durchaus kein schlechter Kerl. Christian Bale spielt ihn mit einer beeindruckenden Wampe. Wir lernen Irving kennen, als er sich gerade vor dem Spiegel eines New Yorker Hotels sein unzuverlässiges Haarteil auf dem kahlen Schädel festklebt, um sodann sorgsam das Resthaar darüberzukämmen: Vorbereitungen für den nächsten Betrug. Seine Partnerin, Sydney Prosser (Amy Adams in atemberaubenden Kleidern), ist eine ehemalige Stripperin, die sich nun als englische Adlige mit besten Verbindungen zur Londoner Finanzwelt ausgibt.

Die beiden sind Virtuosen darin, die Gier ihrer Opfer anzustacheln. Sie wissen, dass diese meist noch wächst, je mehr sie, einmal geweckt, unbefriedigt bleibt. Während die Gauner ihre Opfer mit der Scharade von dem finanzstarken Kreditvermittler und der britischen Aristokratin hereinlegen, sind die beiden doch ein aufrichtiges Liebespaar. Wir haben erlebt, wie sie sich auf einer Poolparty kennenlernten. Die gemeinsame Leidenschaft für die Musik von Duke Ellington hat sie zusammengebracht, und eine Beziehung, die der Duke gestiftet hat, soll der Mensch nicht scheiden.

American Hustle erzählt von der Täuschung in der Täuschung. Betrogene Betrüger sind das Leitmotiv. Wer am Ende mit leeren Händen dasteht, das ist so überraschend, dass es hier nicht verraten wird. Doch David O. Russell, der Regisseur und Schöpfer dieses Universums voller Spiegelungen, hängt keiner zynischen Weltsicht an: Im Herzen des Täuschungsspiels wohnt echte Leidenschaft. Irving und Sydney sind gut darin, anderen etwas vorzumachen, weil sie sich gegenseitig nichts vormachen.

In das erotische Verführungsspiel der beiden bricht Richie DiMaso (Bradley Cooper mit herrlichen Anklängen an John Travolta) ein, der ambitionierte FBI-Agent, der ihnen schon länger auf der Spur war. Er hat besondere Absichten mit den beiden: Ihren Kreditbetrug lässt er auffliegen, weil er sie für einen größeren Schwindel einspannen will – einen Betrug im Dienst der Wahrheit und des Rechts. Die überführten Kleingangster sollen helfen, größere Gangster und korrupte Politiker zu überführen. Dazu jedoch ist ein aberwitziger Plot nötig, der diese Komödie der Täuschungen auf die nächste Ebene hebt.

Was nun folgt, beruht in Grundzügen auf einer realen FBI-Operation der späten Siebziger, dem sogenannten Abscam-Skandal. Dabei wurden einige Mitglieder des Repräsentantenhauses und ein Senator überführt, Bestechungsgelder entgegengenommen zu haben, um einem vermeintlichen arabischen Scheich dabei zu helfen, in die heruntergekommenen Kasinos von Atlantic City zu investieren. Der Scheich, unnötig, dies zu sagen, ist natürlich nicht echt, sondern ein vom FBI gestellter Betrüger im öffentlichen Dienst.