Und plötzlich ist man in einem Schloss. Das Treppenhaus des bürgerlichen Altbaus im Frankfurter Westend ließ davon noch nichts ahnen, doch hinter der Tür zu den Geschäftsräumen von Christoph Graf Douglas im dritten Stock ist die Atmosphäre herrschaftlich. Das alte Parkett ist aufwendig gearbeitet, die Tapeten, die antiken Möbel und die großformatigen Ölgemälde – alles ist von edler Vornehmheit. Unter dem Tweedjackett trägt der Graf einen ochsenblutroten Pulli, der wie abgestimmt zur Wandfarbe seines Arbeitszimmers passt. Mit einem gewinnenden Lachen begrüßt er den Gast, der es sich auf einem Sofa bequem machen soll. An der Wand hängt das von Lovis Corinth gemalte Porträt eines Onkels des Grafen, am Holzschreibtisch lehnt eine großformatige Leinwand mit einer Verkündigungsszene.

Nicht in einem Auktionssaal in Berlin, Köln oder München, sondern hier, in diesem Zimmer, werden hierzulande die größten Kunstgeschäfte abgewickelt.

Und das, obwohl Deutschland, was viele nicht wissen, auch in Sachen Kunst Exportweltmeister ist. Viele der auf dem Kunstmarkt für hohe Millionensummen gehandelten Werke wurden zwar in Deutschland produziert – Beckmann, Kirchner, Richter und all die anderen bekannten Namen –, verkauft und wiederverkauft werden die Kunstwerke dann allerdings in New York und London zu Spitzenpreisen an Sammler aus aller Welt. Wenn doch in Deutschland einmal Bilder oder Skulpturen für zweistellige Millionen-Euro-Summen verkauft werden, dann ist an solchen Geschäften oft Christoph Graf Douglas beteiligt. Er stammt aus einer alten badischen Familie, wurde 1948 in Konstanz geboren, sein Vater leitete eine Zeitung, er selbst ist promovierter Kunsthistoriker. Fünfzehn Jahre lang arbeitete er beim Auktionshaus Sotheby’s, leitete schließlich das Deutschlandgeschäft der Firma und steigerte den Umsatz. Berühmt wurde er für seine Rolle bei der Auflösung des Erbes großer Adelshäuser. Drei Wochen lang versteigerte er etwa in einer Riesenauktion die Sammlung des Hauses Baden. Nach seiner Kündigung 1995 – er wollte nicht mehr nur unterwegs sein – konzentriert er sich auf einige wenige Geschäfte pro Jahr. So wurde er vor gut einem Jahr für das Haus Fürstenberg aus Donaueschingen aktiv und verkaufte eine Altartafel des Meisters von Meßkirch an den Schrauben-Milliardär Reinhold Würth. An Würth hatte Douglas auch für unerhörte 55 Millionen Euro die sogenannte Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren vermittelt; sie war zuvor im Besitz des Hauses Hessen gewesen. Diese Deals waren heftig umstritten – zählen die Gemälde doch zum nationalen Kulturerbe und hingen als Dauerleihgaben in staatlichen Sammlungen, bevor sie in die Privatmuseen von Würth wanderten. Das Städel-Museum etwa hatte vergeblich versucht, die Schutzmantelmadonna zu halten: 40 Millionen Euro hatte man bei öffentlichen Stellen und Mäzenen für einen Ankauf gesammelt. Aber Würth bot mehr.

"Ich jage", sagt Douglas, wenn man ihn nach seiner Berufsbezeichnung fragt. Seine Rolle bei den großen Kunstgeschäften gleiche aber auch der eines Diplomaten. Irgendwann würden bei diesen zumeist langwierigen Transaktionen stets Komplikationen auftreten, dann müsse er vermitteln, die Wogen glätten, eine Lösung finden. Die ganz Reichen, so Galeristen und Auktionatoren, hätten gewöhnlich Angst davor, betrogen zu werden. Vor Christoph Graf Douglas haben sie anscheinend weniger Angst, nicht nur ist er selbst einigermaßen vermögend, er ist auch seit über dreißig Jahren mit einer Oetker-Erbin verheiratet. Und trägt trotzdem – oder gerade darum – eine Swatch am Handgelenk.