Es gibt Dur-Länder, die klingen so: Bahamas, Kanada, Madagaskar, Kalifornien, Schleswig-Holstein, Bayern, Liechtenstein. Und es gibt Moll-Länder, die hören sich beklemmend oft so an: Wasiristan, Usbekistan, Kurdistan, Afghanistan, Karakalpakistan. Was ist das nur mit diesem "-stan"? Eigentlich bedeutet die Endung gar nicht "armer, gebeutelter Fleck", sondern einfach bloß "Ort des" oder "Heimat von". Aber Assoziation ist eben das halbe Image, weshalb kein Heino bei Heinz Georg Kramm bleibt und kein Udo Jürgens bei Jürgen Udo Bockelmann und weshalb sich jetzt auch der Präsident von Kasachstan einen neuen, schickeren Namen für sein Land wünscht.

Nursultan Nasarbajew hält das "-stan" für einen schweren Makel, konkret betrübt ihn, dass das Ausland sich eher für die kleinere Mongolei interessiere, schlicht weil sie weniger trübe Verwandtschaftsvorstellungen auslöse. Stimmt ja auch. Mongolei klingt geradezu ganzheitlich gesund gegenüber dem Hustenreizgeräusch, mit dem sich der Klang von Nasarbajews Heimat verwechseln lässt. Man soll so was ernst nehmen, wir sind und bleiben schließlich instinktive Wesen.

In seinem wunderbar obszönen Roman Absurdistan (auf Deutsch unter dem vermeintlich werbewirksameren Titel Snack Daddys abenteuerliche Reise erschienen) entblättert der amerikanisch-russische Schriftsteller Gary Shteyngart ein Gespräch zwischen einem Minister des fiktiven, sehr stan-haften Landes und einem Mossad-Agenten, der politische Marktforschung betreibt. Es geht darum, herauszufinden, welchen Ländern Amerika im Falle einer Katastrophe mit einer Intervention zu Hilfe kommen würde. "Wir legen den Leuten eine Liste von Ländern vor, echten und erfundenen. Da wären Dschibuti, Yolanda, Costa Rica, Osttuchusland, Absurdsvanï und so weiter. Rate mal, wer auf dem allerletzten Platz gelandet ist, noch hinter dem ekligen Homoslawien. Genau. Wenn man Nägel mit Köpfen machen will, muss das Land sich als Vorname für ein Kind eignen. Ruanda Jones. Somalia Cohen. Timor Jackson. Herzegowina Lewis-Right. Und wir kommen mit dieser Republika Absurdsvanï. Ein hoffnungsloser Fall."

Nursultan Nasarbajew schwebt als neuer Landesname Kasach Eli vor, worunter man sich immerhin schon mal einen Skiurlaub vorstellen könnte. Ein Problem bleibt allerdings: Der Name des Präsidenten selbst klingt weiterhin nach dem korrupten, selbstherrlichen Plutokraten, der er ist.