ZEITmagazin: Herr Owens, Sie sehen ziemlich fit aus. Haben Sie heute schon trainiert?

Rick Owens: Ja. Trainieren ist für mich wie Zähneputzen. Sport ist mir sehr wichtig. Ich habe meinen Körper dadurch vollkommen verändert.

ZEITmagazin:Wie sahen Sie denn früher aus?

Owens: Weich und schwach. Aber wenn ich gewusst hätte, wie hart es ist und wie lange es dauert, bis man so aussieht ... Ich habe natürlich Steroide genommen, sonst hätte ich die Motivation verloren.

ZEITmagazin: Haben Steroide nicht schlimme Nebenwirkungen?

Owens: Welche? Ich habe keine Nebenwirkungen gespürt. Verglichen damit, was ich meinem Körper früher angetan habe, lebe ich jetzt supergesund. In meinen Zwanzigern war ich schwerer Alkoholiker.

ZEITmagazin: Wie war es so weit gekommen?

Owens: Aus Angst und Scham. Ich hatte kein Selbstvertrauen. Es war ein langer Weg bis dahin, wo ich jetzt bin. Als Kind war ich sehr ruhig und schüchtern. Ich bin ein Einzelkind und habe nie gelernt, mit anderen zusammen zu sein. Ich habe immer alleine gespielt.

ZEITmagazin: Aber Sie hatten den Mut, nach der Highschool aus Ihrem Geburtsort Porterville in Kalifornien ins Hunderte Kilometer entfernte Los Angeles zu ziehen, um Kunst zu studieren?

Owens: Das war die Idee meiner Mutter. Sie hatte von dieser Kunstschule gehört und hat alles für mich organisiert. Ich war ja ein Kiffer und hing nur zu Hause rum. Sie warf mich raus, was schon erstaunlich ist, wenn man meine Mutter kennt. Sie ist Mexikanerin, warmherzig, gütig und voller Liebe. Es muss sie wahnsinnig viel Kraft gekostet haben, ihr einziges Baby wegzuschicken.

ZEITmagazin: Bitte kommentieren Sie dieses Zitat von Ihnen: "Eine Kerze, die an beiden Enden brennt, brennt schneller, aber heller."

Owens: Ziemlich fatalistisch, was? Ich habe ein Feuer in mir, das hatte ich schon immer. Aber mit zwanzig wusste ich nichts mit diesem Feuer anzufangen, ich wusste nicht, wie und wofür ich es einsetzen könnte, also verbrannte ich innerlich. Das ist ein Teufelskreis. Alkohol gibt einem Selbstvertrauen. Ein sehr falsches Selbstvertrauen, aber damals kannte ich den Unterschied nicht.

ZEITmagazin: Wie haben Sie es geschafft, trocken zu werden?

Owens: Ich habe drei Anläufe genommen, bis es endlich geklappt hat, in Eigentherapie, zu Hause. Du musst richtig Angst bekommen, am besten Angst vor dem Sterben. Erst dann hast du die Kraft, dich zu deiner Sucht zu bekennen und aufzuhören. So war das jedenfalls bei mir. Als ich mit dem Trinken aufgehört habe, musste ich als Erstes wieder lernen, die Kontrolle zu übernehmen. Sport hat mir dabei geholfen. In der Lage zu sein, deinen Körper zu kontrollieren, ist schon toll. Zu bestimmen, wie dein Körper aussieht, ist der Hammer.

ZEITmagazin: Wie oft trainieren Sie?

Owens: Die ersten vier, fünf Jahre habe ich jeden Tag mit einem Personal Trainer trainiert. Jetzt geht es vor allem um Instandhaltung, fünfmal die Woche reicht.

ZEITmagazin: Gibt es Lieblingskörperstellen, die Sie trainieren?

Owens: Schultern, Bizeps, Trizeps, die Vorderseite des Oberschenkels und die Hinterseite des Oberschenkels, die Unterschenkel, Rücken, Hintern, Bauchmuskeln.

ZEITmagazin: Und warum ist ein Personal Trainer sinnvoll?

Owens: Trainieren ist irre einseitig und langweilig. So hat man wenigstens jemanden, mit dem man reden kann.

ZEITmagazin: Haben Sie einen Sportkeller bei sich zu Hause?

Owens: Ich arbeite schon von zu Hause aus, da gehe ich lieber raus zum Trainieren. Ich gehe ganz normal ins Fitnessstudio.

ZEITmagazin: Werden Sie da angestarrt? Oder ist das gerade gut?

Owens: Mein Fitnessstudio ist ziemlich schick. Marc Jacobs geht da auch hin. Wenn einer angestarrt wird, dann er.

ZEITmagazin: Wie heißt das Studio?

Owens: L’Usine, Französisch für: "die Fabrik".