Keine Sorge, ich bin bei euch. Das war am Dienstag die Botschaft der neuen amerikanischen Notenbankchefin Janet Yellen an die Finanzmärkte. Ja, wahrscheinlich wird ihre Zentralbank demnächst weniger öffentliche Anleihen im Monat kaufen als bisher, also diese Art der – eigentlich von Ökonomen verabscheuten – Staatsfinanzierung nur langsam einstellen. Vor allem aber lässt sie die Zinsen bis auf Weiteres an der Nulllinie.

Nichts anderes war zu erwarten bei der Frau, die erklärtermaßen eine Politik des leichten Geldes verfolgt. Interessant ist nur die Begründung. Ihr Vorgänger wie auch viele andere Verfechter laxer Geldpolitik in den USA begründeten ihr Votum bislang damit, dass trotz Wachstums die Arbeitslosigkeit noch hoch sei und die Volkswirtschaft deshalb weiteren Treibstoff in der Form von billigem Geld benötige.

Diese Phase des jobless growth ist nun vorüber. Die Arbeitslosigkeit ist auf kaum mehr als die 6,5 Prozent gesunken, die von der Zentralbank lange als Zielmarke genannt wurden. Dann könne sie die Zinsen endlich wieder erhöhen, so die Botschaft – von der die Chefin nun nichts mehr wissen will.

Auf dem Höhepunkt der Krise lag diese Marke so weit weg, dass damit die Finanzwelt beruhigt werden sollte: Das Geld bleibt billig. Nun aber schlägt sich die gute Konjunktur unerwartet stark und schnell in der Mitte des Arbeitsmarktes nieder. Also verlegt sich die Chefin auf eine neue Erklärung. Die Inflation sei niedrig, der Aufschwung jung – also könne man weiter an der Nulllinie verharren.

Man kennt diese Form der Geldpolitik aus Amerika schon. Ihr Urheber hieß Alan Greenspan, der vor der Krise mit immer neuen Erklärungen das Geld billig hielt und zum Gott der Finanzmärkte wurde. Nur leider entstand während dieser göttlichen Periode eine Blase, deren Platzen die größte Finanzkrise seit 80 Jahren hervorrief.

Greenspan tut die Sache mittlerweile leid, und Yellen würde immer sagen, dass sie in einer ganz anderen Zeit regiere als ihr Vorvorgänger. Stimmt ja auch. Das Problem ist nur: Auf diese Weise hegt die Neue an den Finanzmärkten die Hoffnung, es könne ewig so weitergehen – und später wird es ihr sehr schwerfallen, diese Hoffnung zu enttäuschen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich künftig erneut große Blasen im Geldwesen bilden, ist gerade wieder ein wenig gestiegen.