DIE ZEIT: Herr Rabe, wie viele Punkte nach der Rabe-Skala haben Sie sich heute erarbeitet?

Thomas Rabe: Ich bin heute Morgen in einem Gym in London 7,2 Kilometer gerudert und rund 10 Kilometer Rad gefahren, sie haben da die gleiche Rudermaschine wie ich zu Hause, eine Concept 2, auf der auch Profis trainieren.

ZEIT: Wie viele Punkte waren es also?

Rabe: Sieben fürs Rudern und fünf fürs Radfahren. Ich will mich am Anfang der Woche sportlich nicht so reinhängen. Donnerstags, freitags und am Wochenende mache ich mehr.

ZEIT: Ihr Ziel sind 100 Punkte pro Woche?

Rabe: In den Ferien, beim Bergsteigen in Südtirol, erreiche ich das locker, aber in Arbeitswochen sind 80 Punkte auch gut.

ZEIT: Erst verausgaben, dann arbeiten?

Rabe: Ich verausgabe mich eben nicht. Ich höre morgens sehr genau auf meinen Körper, in welcher Verfassung ich bin.

ZEIT: Es heißt, Sie würden keinen Alkohol und auch keinen Kaffee mehr trinken?

Rabe: Seit April 2011 trinke ich keinen Alkohol mehr. Es war schon vorher nicht viel, und doch war es mit meinem Arbeits- und Sportpensum nicht zu vereinbaren. Es geht mir jetzt noch besser: Ich brauche weniger Schlaf, und meine Fitnesswerte sind noch mal gestiegen. Und statt Kaffee trinke ich jetzt Ingwertee.

ZEIT: Es fällt auf, wie viele Topmanager neuerdings einen asketischen Lebenswandel an den Tag legen. Ist das einer neuen Form der Arbeitsbelastung geschuldet? Oder ist das eine Mode?

Rabe: Ich spreche viel mit meiner Frau darüber, die Ärztin ist und es teilweise für Zeitgeist hält. Das ist es aber nicht allein. Die Arbeitswelt ist insgesamt anspruchsvoller geworden, die Belastung ganz sicher gestiegen.

ZEIT: Wodurch?

Rabe: Durch die Geschwindigkeit. Die dauernde Erreichbarkeit. Die gestiegene Komplexität, wenn man etwa bestehende Geschäfte verändert und in neue Märkte, neue Regionen geht.

ZEIT: Verschwindet mit diesem asketischen Lebensstil auch ein Managertypus, der sich wie ein Industriebaron verhält? Patriarchalisch? Mit riesiger Villa und eigenem Reitplatz? Sie hatten ja bei Bertelsmann auch das ein oder andere Prachtexemplar.

Rabe: Das hat nichts mit Bertelsmann und seinen Managern zu tun. Ich glaube, dass dies einfach nicht mehr in die Zeit passt.