Auf dem Campus sollte es "Parkplätze für Nobelpreisträger" geben, verkündete Joachim Treusch Mitte 2006, als die Jacobs University noch International University Bremen hieß und Treusch noch ihr Präsident war. Die besten Studenten und Professoren aus aller Welt wollte man anwerben, Forschung auf Augenhöhe mit den Eliteuniversitäten in den USA betreiben. Einen weitläufigen Campus mit gepflegtem Rasen und roten Backsteingebäuden hat die Uni schon, ganz so wie Harvard und Yale. Die Jacobs-Uni wollte so sein wie sie. Sie baute Colleges und feierte pompöse Graduierungszeremonien mit Talaren und Hüten.

Jetzt muss die Universität Studiengänge streichen, Professoren entlassen und bei der regionalen Wirtschaft um Stipendien und Forschungsaufträge bitten. Abends und am Wochenende wird in den Büros die Heizung ausgeschaltet, um Geld zu sparen. Es ist das Ende eines Traums vom "Harvard an der Weser", und es ist das Ende eines Traums von einer privat finanzierten Volluniversität in Deutschland.

Wie konnte das passieren?

Katja Windt sitzt in ihrem Büro auf dem Campus. Die neu gewählte Präsidentin der JUB wirkt fahrig, sie hat nicht viel geschlafen in den vergangenen Wochen. Sie musste ein Konzept ausarbeiten, um die Hochschule vor dem Aus zu bewahren. Auf Fragen nach Fehlern in der Vergangenheit antwortet sie mit Aussichten auf die Zukunft. Sie sagt: "So breit, wie wir jetzt fachlich aufgestellt sind, können wir nicht bleiben." Aber, und das schiebt sie fast etwas trotzig hinterher: "Wir sind und bleiben eine forschungsorientierte Universität."

Katja Windt ist eine bekannte Logistik-Professorin, sie sitzt in zwei Aufsichtsräten, sie ist überzeugt, dass man eine Uni wie ein Unternehmen führen muss. Sie spricht von einem "Businessplan", der Perspektiven biete. Von dem Markt, dem man sich anpassen müsse. Von einem wettbewerbsfähigen Profil, von Kostenmaßnahmen und "Finanztools". Sie redet wie eine Managerin.

Nun hat Windt die undankbare Aufgabe, die Jacobs-Uni so umzubauen, dass möglichst viel von dem, wofür die Uni steht, erhalten bleibt. Und gleichzeitig die Kosten deutlich sinken. Ein schwieriger Spagat.

Die Jacobs University ist bundesweit eine einzigartige Einrichtung: eine private Hochschule, die eine Vielzahl verschiedener, für die Uni teurer Fächer anbietet, Natur- und Ingenieurwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, die alle interdisziplinär angelegt sind, international ausgerichtet und forschungsstark. Sie unterscheidet sich damit deutlich von allen anderen Privathochschulen in Deutschland, die ganz auf Lehre setzen, wenig Forschung betreiben und sich auf einzelne Fächer wie Ökonomie oder Gesundheit konzentrieren, die am Arbeitsmarkt stark nachgefragt werden und die sich preiswert aus Büchern lernen lassen.

An der Jacobs University ist das alles anders – und genau deshalb hat die Uni seit Jahren finanzielle Probleme. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2001 stand die Hochschule bereits mehrfach vor der Pleite und konnte nur durch Millionenzuwendungen des Landes Bremen und der Stiftung der Kaffeedynastie Jacobs überleben, deren Namen sie seit 2006 trägt.