"Piep, piep", tönt es am Armaturenbrett, gelbe und rote Leuchtdioden blinken im Display. "Halt", signalisiert die Elektronik des weißen Mietwagens dem Fahrer akustisch und optisch: "Wenn du beim Einparken noch ein paar Zentimeter weiter rückwärtsfährst, macht es rums." Aber woher weiß das Autos das?

Wenige Minuten zuvor gab es schon mal kurz Alarm: Ein kleines gelb-orangefarbenes Symbol in Form eines Warndreiecks im Tacho hatte aufgeblinkt. Das Aufflackern signalisierte, dass sich die Antischleuderhilfe ESP kurz eingeschaltet hatte. Aber wer hatte bemerkt, dass das Auto auf den Schneeresten in der engen Kurve der Abfahrt von der Bundesstraße etwas zu stark nach außen drängte?

Die Aufklärung liegt nah. Führt die Fahrt doch zum Bosch-Elektronikwerk in Reutlingen am Fuße der Schwäbischen Alb. Dort sollte man sich bestens auskennen mit all den elektronischen Helferlein, die das Autofahren heute sicherer und komfortabler machen.

Vom Parkplatz sind es nur wenige Meter bis zum Büro von Klaus Meder. Der 52-jährige Elektroingenieur steht beim weltgrößten Automobilzulieferer Bosch der Sparte Automotive Electronics mit 22.000 Mitarbeitern vor, von denen rund 7000 in Reutlingen arbeiten. Von seinem Büro aus deutet Meder auf sein Reich: Einige Hundert Millionen Euro habe der Konzern hier in die Anlagen zur Fertigung elektronischer Komponenten investiert, darunter zwei moderne Halbleiterwerke, in denen Mikrochips gebacken werden.

"Wir bringen den Autos das Sehen und Fühlen bei", sagt Meder. Sensoren sind eine der Reutlinger Spezialitäten. Rund drei Millionen dieser elektronischen Winzlinge verlassen täglich das Werk. Je neuer ein Automodell, desto mehr dieser Minifühler stecken darin. "Etwa fünfzig Sensoren sind in einem Neuwagen heute verbaut", erklärt Meder. Radarsensoren, Minikameras, vor allem aber die vielseitig einsetzbaren MEMS werden hier in Reutlingen entwickelt, produziert und getestet.

Die Abkürzung MEMS steht für Micro-Electro-Mechanical-Systems. In solchen Sensoren schaffen Ingenieure feinste Strukturen aus Silizium, die sich bei der Bewegung des Gehäuses um Bruchteile eines Tausendstelmillimeters verschieben. Dabei ändern sich die elektrischen Eigenschaften. Die werden gemessen und in einen Datenstrom umgewandelt. Etwa wenn ein Auto in der Kurve nach außen drängt wie der Mietwagen des Autors.

Die Dimensionen, in denen die Ingenieure dabei arbeiten, sind winzig. Manche Komponenten sind 17 Mal dünner als ein menschliches Haar. Die MEMS messen Druck, Beschleunigung, Drehraten, Massenfluss und das Erdmagnetfeld. Und das in allen drei Achsen. Meder holt ein Porsche-Modellauto aus dem Regal und demonstriert die Drehrichtungen.

Bosch hat diese Technologie von Beginn an geprägt und ist heute der weltweit führende Anbieter im Wachstumsmarkt der MEMS-Sensoren. "Noch in diesem Frühjahr werden wir die Schwelle von vier Milliarden Stück überschreiten", sagt Meder.