Wie ist es möglich, dass im Deutschland von Jupp Heynckes und Felix Magath auf einmal diese jungen, leidenschaftlichen und taktisch versierten Trainer die Bühne betreten? Eine neue Generation von Fußballlehrern, die, so sieht es aus, alles ganz anders macht.

Markus Weinzierl, Trainer des FC Augsburg, ist eine von diesen frischen Kräften. Der 39-jährige Fußballlehrer ist der Jüngste unter den Bundesligatrainern. Was macht er anders? Wie erklärt er den überraschenden Erfolg seiner Mannschaft? Es ist Weinzierls erster Termin dieser Art, im Gespräch antwortet er unbekümmert. "Ganz geheuer ist mir die aktuelle Situation nicht", gibt er zu.

Als Weinzierl vor eineinhalb Jahren den Trainerposten in Augsburg übernahm, hielt sich der Verein gerade mal seit einer Saison in der Ersten Liga auf. Heute belegt die Mannschaft Tabellenrang acht, noch einen Platz besser am Ende der Saison, und sie kann sich für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren. Innerhalb der vergangenen zwölf Partien verlor Augsburg nur zweimal, einmal davon gegen den FC Bayern München. Seit Herbst vergangenen Jahres geht es nur noch bergauf.

Bild hat jetzt auch für Augsburg eigens einen Reporter abgestellt, der so gut wie alles unter Beobachtung hat. Und mittendrin Weinzierl, der den Erfolg erklären soll. "Wir sehen uns am Anfang eines Weges." Eine definitive Antwort auf die Frage nach dem Grund für den Erfolg kann er zu diesem Zeitpunkt nicht liefern. Er lässt den Gesprächspartner am Entwicklungsprozess teilhaben. Es ergibt sich in den nächsten anderthalb Stunden ein Gespräch, in dem sich auch Weinzierl hinterfragt.

Die Anforderungen an die jungen Trainer sind sehr viel komplexer geworden, seit die beiden Beschleuniger Pep Guardiola und José Mourinho die Fußballbühne beherrschen. Guardiola, Trainer des FC Bayern, und Mourinho, Coach des FC Chelsea, gelten weltweit als Referenztrainer. Beide fordern ein laufintensives, technisch anspruchsvolles und leidenschaftliches Spiel, bei dem es um die Mannschaft geht und nicht um den Einzelnen. Trainer wie Markus Weinzierl oder der Mainzer Thomas Tuchel, 40, beherrschen die Basiskenntnis dieser Philosophie, ihre Teams demonstrieren bereits den modernen Stil.

Je ähnlicher sich die Spielsysteme werden, desto wichtiger wird deren individuelle Zuspitzung durch die Trainer. Der Spanier Guardiola, 43, und der Portugiese Mourinho, 51, haben diesen Gedanken im Laufe der letzten Jahre besonders verinnerlicht und sich mit ihren eigenen Spielideen von der Konkurrenz abgesetzt. Mourinho schwört auf die Defensive. Aus diesem Grund drückt er jedem einzelnen seiner Spieler eine individuelle Gegneranalyse in die Hand. Eine Hausaufgabe, bei der Verhaltensmuster und Spielabläufe zu studieren sind, keiner soll später in einem Match darüber nachdenken müssen, wohin er bei einem Konter zu laufen hat.

Guardiola betrachtet die Mannschaft hingegen als Einheit. Sein Motto lautet: "Nichts ist resistenter als homogenes Material." Er liebt die Ordnung in der Mannschaft, die den Spielern erlaubt, nicht aufgrund ihrer Physis, sondern durch ihr Talent und ihre Intelligenz Bälle zu erobern.

Die beiden Trainer haben mit ihrer eigenen Auslegung jeweils eine Marke kreiert, die mittlerweile größer ist als der Verein, für den sie arbeiten. Sie sind so etabliert, dass sie keine Kompromisse mehr eingehen müssen. Ihre Philosophie überlebt auch den Misserfolg, sie haben Freiheiten, von denen Augsburgs Trainer Markus Weinzierl noch weit entfernt ist.