Schlank, aber keine Werbefigur: CDU-Politikerin Julia Klöckner © Martin Schutt/dpa

Politiker weichen oft in Floskeln aus, wenn man von ihnen interessante Dinge erfahren möchte, und allzu oft geben sich Journalisten damit zufrieden. Nicht so die Bunte. Nachdem neulich Julia Klöckner, CDU-Vorsitzende in Rheinland-Pfalz, der Zeitschrift verriet, dass sie abgenommen habe, aber nicht, wie, will die Bunte dank einer investigativen Recherche herausgefunden haben, dass Klöckner bei den Weight Watchers Hilfe gesucht hat. Laut Bunte soll ein Sprecher des Diätkonzerns unter dem Druck der Fragen zugegeben haben, dass nicht nur Frau Klöckner, sondern schon unglaublich viele Menschen mit WW abgenommen hätten und dass eine App dabei helfe, die übrigens gar nicht so teuer sei. Klöckner protestierte: Sie fühle sich als Werbefigur von WW und der Bunten missbraucht.

Dabei hat die Bunte doch nur die verfilzte Republik ein kleines bisschen transparenter gemacht. Und das ist nur ein Anfang. Wir haben aus sicheren Quellen von weiteren Prominenten gehört, die sich bald gegen ihre unfreiwillige Rolle als Testimonials zur Wehr setzen müssen.

Vor allem Politiker sind betroffen. Gerhard Schröder, verrät ein Sprecher der App "Die moderne Hausfrau", nutze regelmäßig das Rezepte-Forum der App: Zuletzt habe er sich dort erkundigt, wie man Salat zubereite. Eine Übersetzungs-App wird mit EU-Kommissar Günther Oettinger beworben ("Zuverlässig von Deutsch zu Englisch"), Dirk Niebel ziert den Katalog eines Orientteppich-Importeurs ("Transport ist bei uns inklusive"), und Klaus Wowereit ist Werbeträger für die Bahn ("Nur Fliegen wär schöner!"). Angela Merkel sei keineswegs von Natur aus so gelassen, sie benutze Klosterfrau Melissengeist, das "schon vielen Kanzlern beim Aussitzen geholfen hat", so die Klosterfrau Healthcare Group. Das Urlaubsportal weg.de wirbt mit Hans-Peter Friedrich. Verschiedene Minister sollen sich außerdem die App "Frag Mutti" runtergeladen haben.

Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen. © Frazer Harrison/Getty Images

Der Verband der HNO-Ärzte plakatiert seine Kampagne "Zunge raus und aaaaah!" mit Miley Cyrus. Ein Foto von Lothar Matthäus prangt auf der Homepage der osteuropäischen Version von Parship. Und auch der FC Bayern kämpft gegen unlizenzierte Werbung: Bastian Schweinsteiger soll seine grauen Schläfen, die er neuerdings über den Platz trägt, durch Alpecin Power-Grau verstärken. Gegen den Slogan "Entdecke den Leitwolf in dir" werde Schweinsteiger klagen, so der FCB.

Uns fehlen nur noch die Beweise. Bunte, übernehmen Sie!