Vormittags im Soho House, Berlin. Ihre Verfilmung ihres Romans Alles inklusive ist gerade fertig – puh ey (ein Transvestit, ein perverser Tierarzt, Nadja Uhl, die mit einem Mops spricht, und Hannelore Elsner als melancholischer Hippie). Doris Dörrie ist Buchautorin und Regisseurin, insgesamt sind es etwa 35 Filme und 25 Bücher, ihr Film Männer (1985) prägt bis heute das, was in Deutschland eine Filmkomödie ist. Die bange Frage, ob man als gute, nicht grandios gute Künstlerin schlicht zu viel herstellen kann, muss bei ihr leider mit Ja beantwortet werden. Sie sitzt da mit der Dörrie-Frisur (weißblonde Strubbel) und der Dörrie-Brille (weißes Horn) und sieht ganz so aus, wie man als kultivierte deutsche Frau um die 59 mit der üblichen Hippie-Punk-Wohngemeinschafts-Vergangenheit wohl aussieht. Sie nimmt das pochierte Ei mit dem Vollkornbrot. Ist das ihr Trick, dass sie auf die viel beklagte Drehbuchkrise reagiert, indem sie ihre eigenen Romane verfilmt?

Gleich eine gewisse Strenge in ihrem Ton: Nein. "Ich komme ja aus der Prosa. Und habe dann angefangen, die Prosageschichten in Drehbücher zu verwandeln." Ist sie Autorenfilmerin? "Ich bin Tierfilmerin. Mich interessiert das Zoon, griechisch: Lebewesen." Frage an die Erfinderin der modernen Beziehungskomödie: Findet sie die Filme von Schweiger und Schweighöfer gut? Hmm. Sie macht da jetzt ein Geräusch. "Sie sind teils wirklich gut geschrieben. Für meinen Geschmack sind sie in der Inszenierung dann nicht genau und damit auch nicht bizarr und glaubwürdig genug." Doris Dörrie hat öfter schon erzählt, wie sie sich an freakigen Orten in Deutschland mit Notizbuch hinsetzt und einfach nur beobachtet: An welchem Ort in Deutschland kann man in das deutsche Wesen am tiefsten hineinschauen?

Sie setzt einen verspielten Gesichtsausdruck auf: "Ich würde sagen: Fußgängerzone Hannover. Da sehen Sie alles. Es gibt nichts Deutscheres." Ist es da nicht auch traurig, in der Fußgängerzone? "O ja. Es gibt keinen melancholischeren Ort." Über welche Szene im Alltag musste sie zuletzt lachen? Die Regisseurin erzählt davon, wie sie sich neulich eine neue Küche einbauen ließ und wie unter den Handwerkern alle klassischen Komödientypen auftauchten, der Gaukler, der Schriftsteller, der philosophierende Professor. Das Leben – zum Schmunzeln, zum Kaputtlachen!

Kann sie einen politischen Satz sagen? "Das Private ist politisch. Das Privatleben der Politiker wird in die Öffentlichkeit gezerrt, und wir sind die Moralapostel." Also rein ins Private, sie ist ja seit 15 Jahren mit dem Constantin-Chef Martin Moszkowicz liiert. Ist ihr Mann, wie die Leute sagen, der nach dem Tod von Bernd Eichinger mächtigste Player der deutschen Filmbranche? Sie erschrickt schon ein wenig über so eine prollige Bunte- Frage. Die dezente Antwort: "Er ist der mächtigste Mann in unserer Wohnung."

Man könnte, müsste sich mit ihr jetzt über ein gesellschaftlich relevantes Thema unterhalten, Prostitutionsverbot, Homophobie, Steuermoral bei Millionären, so was. Und sie würde den jeweils wohlklingenden, ausgewogenen, mehrheitsfähigen Standpunkt formulieren, das kann sie. Ist das blöd, wenn Männer sich nicht für Feminismus interessieren? "Männer sollten sich für Frauen interessieren." Und noch eine ein bisschen gemeine Frage: Sind Frauen, die den schauderhaften New-Age-Satz "Jeder Tag ist ein guter Tag" aufsagen, nicht die allerschönsten Figuren für eine deutsche Filmkomödie? Sie übersetzt das jetzt rasch ins Japanische. Und erklärt: "Dieser Zen-Satz ist an sich eine Frechheit. Der will dich kicken, dir Energie geben." Und sie gibt noch fünf Interviews zu ihrem leider nicht so guten neuen Film.