Die Möbel des Biedermeier sind längst nicht mehr so beliebt wie vor zwanzig oder dreißig Jahren. Die Preise sind gefallen, und junge Menschen kommen kaum noch auf die Idee, sich ganze Wohnungen mit den schlichten Tischen, den grazilen Stühlen, geschwungenen Sofas und eleganten, reduzierten Kommoden einzurichten.

Aber wie stets am Kunstmarkt: Exzellente, herausragende Objekte verlieren nicht an Wert und Ausstrahlung. Traumstück bleibt Traumstück, nur mischen Kunstfreunde von heute bei ihrem Mobiliar gern die Stile und Epochen. Die Möbel, die sich aus Empire und Klassizismus entwickelten und meist unter dem Begriff Biedermeier eingeordnet werden, eignen sich dazu besonders gut. Zu ihnen passt fast alles. Zudem sind sie mit ihrer Formenreduktion, den glatten Oberflächen, äußerst sparsamen Ornamenten, auch ihrer oft fragilen Körperlichkeit ziemlich modern. Von Schinkel zu Mies van der Rohe ist es nicht weit.

Der junge Bamberger Kunsthändler Gregor von Seckendorff bietet derzeit einen Tisch an, der bei aller Strenge so exaltiert ist, dass man sich daran nicht sattsehen kann. Drei vergoldete, akrobatisch sich windende Delfine tragen die runde Eichenplatte, die mit feurig züngelndem Mahagoni furniert ist. Dünne Goldbänder schmücken ihn, die Meerestiere schwimmen auf einem einschwingenden Dreieck, das goldene Kugeln tragen. Die Mittelstütze hat die Form eines bauchigen Balusters, auch das schon ziemlich chic. Wahrscheinlich stammt das hervorragend verarbeitete Stück aus Kassel, wo solche Delfintische um 1820 in Mode waren. Seckendorff kann eine ganze Reihe von Vergleichsbeispielen anführen, aber keiner der Delfintische ist von so exzentrischer Qualität. Die angesetzten 16.700 Euro sind keineswegs zu hoch gegriffen.

Der Autor ist stv. Chefredakteur von WELTKUNST und KUNST UND AUKTIONEN