Die Frage: Nach elf Ehejahren hat sich Markus von seiner Frau getrennt und lebt mit einer neuen Partnerin zusammen. Seine beiden Kinder, sieben und neun Jahre alt, wohnen nach wie vor bei seiner Exfrau. Das Verhältnis zu ihnen ist eher enger geworden, da Markus jede Woche bestimmte Tage mit ihnen verbringt. Anfangs hatte Markus gedacht, dass die Kinder genug Neues verarbeiten mussten und er an diesen Vatertagen seine Freundin nicht treffen sollte. Er hat sich vorgenommen, an diesem Zustand erst etwas zu verändern, wenn sich die Kinder erkundigen, ob es eine neue Frau in seinem Leben gibt. Nun gerät Markus ins Zweifeln, denn die Monate vergehen, und keines der Kinder fragt. Soll er die Initiative ergreifen oder weiter abwarten?

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wissen belastet Menschen in der Regel nur, wenn es mit dem Druck verbunden ist zu reagieren. Dennoch scheuen sich nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder, geliebten Menschen reinen Wein einzuschenken. Solche Rücksichtnahme spricht für ein einfühlendes Herz und häufig ebenso für eine Vermeidungshaltung: Wenn ich den Kopf in den Sand stecke, ist der Löwe weg! Es ist nicht ganz klar, ob Markus seine Harmoniebedürfnisse auf die Kinder projiziert oder ob diese nur taktvoll sind. Jedenfalls sollte sich Markus nicht scheuen, neugierige Fragen zuzulassen und selbst zu stellen. Vermutlich hat nicht nur er in dieser Patchwork-Familie im Puppenstadium schon mal darüber nachgedacht, wie es weitergehen soll mit dem Vater als (Schein-)Single.