Der umstrittenste Mann der deutschen Kirche weilt derzeit in Rom und zeigt sich entspannt – ohne zu ahnen, was ihm droht. Während das Bistum Limburg auf eine Entscheidung im Fall des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst wartet, reiste dieser zum Konsistorium, der Vollversammlung der Kardinäle der Welt. Tebartz-van Elst, der zu Hause von einem Generalvikar vertreten wird, nahm selbstbewusst und gut gelaunt an den Feiern rund um das Konsistorium teil. Unterstützer von Tebartz-van Elst sagten in Rom, der Bischof plane, nach Limburg zurückzukehren.

Doch wird der Papst diesem Wunsch folgen? Was aus seinem Umfeld zu hören ist, lässt daran zweifeln. Tebartz-van Elst war Ende Oktober nach heftiger öffentlicher Kritik an den explodierenden Baukosten für den Limburger Bischofssitz und nach innerkirchlichem Widerstand gegen seinen autoritären Führungsstil vom Dienst beurlaubt worden. Franziskus selbst hatte ihm zu einer Auszeit geraten. Eine kirchliche Untersuchungskommission erarbeitete in den letzten Monaten einen Bericht zum Limburger Bauprojekt.

Tebartz-van Elst scheint das Ergebnis nicht zu fürchten. Der Bischof war am Samstag zunächst bei der Feier zur Ernennung von 19 neuen Kardinälen im Petersdom zugegen. Dort zeigte sich auch Benedikt XVI. zum ersten Mal nach seiner offiziellen Abdankung. Der emeritierte Papst kam im weißen Sonntagsmantel und saß auf einem einfachen Stuhl nah bei den Kardinälen – ein Zeichen der Zurückhaltung gegenüber seinem Amtsnachfolger Franziskus, der die Feier zelebrierte.

Tebartz-van Elst trat noch mehrfach im Kreis deutscher Kleriker auf. Am Sonntag war er Gast in der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl, wo der neu ernannte Kardinal Gerhard Ludwig Müller gefeiert wurde. Während in Deutschland die designierte Botschafterin Annette Schavan (CDU) vom Personalrat des Auswärtigen Amtes als ungeeignet kritisiert wurde, war vor Ort auch von diesem Konflikt nichts zu spüren.

Am Montag zelebrierte Tebartz-van Elst dann mit dem 2010 zurückgetretenen Bischof Walter Mixa beim Dankgottesdienst von Kardinal Müller. Der Präfekt der Glaubenskongregation ist einer der mächtigsten Männer im Vatikan und gilt als Unterstützer des Limburger Bischofs. Doch kann Müller ihn schützen?

Ende dieser Woche geht der Limburger Untersuchungsbericht an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, anschließend nach Rom. Aus dem Umkreis des Papstes heißt es, Franziskus beabsichtige, Tebartz-van Elst als Bischof von Limburg abzusetzen. DZ