Wie vieles im Leben hat es nicht nur Vorteile, von großen Vorfahren abzustammen. Es mag den Start erleichtern, wenn einem die Eltern einen guten Namen mitgeben, aber auf mittlere Sicht wird man wahrscheinlich strenger beurteilt, als wenn keiner die Familie kennt, aus der man kommt.

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Der Beetle ist ein Nachkomme des VW Käfer, gebaut für Nostalgiker, die der guten alten Zeit nachtrauern, aber dennoch nicht auf moderne Technik verzichten wollen. Und rein technisch gesehen war der Ausflug mit dem VW Beetle Cabrio von Berlin nach Rügen auch durchaus angenehm. Selbst bei hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn macht er keinen Mucks, und man fühlt sich, anders als früher im knatternden, schaukelnden, seitenwindempfindlichen Ur-Käfer, ziemlich sicher. Natürlich zieht es auch nicht durch die Ritzen, nichts klappert.

Was aber den Nostalgiefaktor angeht: null Punkte. Niemand bekommt einen sentimentalen Blick, wenn er einen Beetle sieht – schon gar nicht im Osten Deutschlands, wo der Käfer früher nicht zum Alltagsbild gehörte. Im Beetle fühlt man sich wie in jedem anderen modernen Kleinwagen auch. Abgesehen davon, dass das Design nur rudimentär an den Übervater erinnert, ist Nostalgie mit zeitgemäßer Technik wahrscheinlich sowieso kaum zu vereinbaren. Die pfeifenden Fenster, das altmodisch Blecherne, das gehörte beim Käfer einfach dazu.

Nun bin ich, was Autos angeht, kein Nostalgiker. Ich bin, im Gegenteil, sehr froh, dass ich den iPod im Handschuhfach einstöpseln kann und so während der Fahrt nicht dauernd Antenne Mecklenburg-Vorpommern hören muss. Und wenn das Wetter schöner gewesen wäre, hätte ich mit größtem Vergnügen das Verdeck per Knopfdruck einfahren lassen.

Doch wenn die Erinnerung an den sympathischen Vorfahren eigentlich niemals richtig wach wird, viel weniger jedenfalls als etwa in einem Mini oder einem Fiat 500, ist das Konzept des Beetle irgendwie nicht nachvollziehbar. Vielleicht wirft der Vater einen zu langen Schatten, vielleicht war der alte Käfer einfach zu charakterstark, als dass man von seinem Nachfahren nicht auch immer ein bisschen enttäuscht wäre. Dann fährt man doch besser gleich Golf.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 77 kW (105 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 11,7 s
Höchstgeschwindigkeit: 178 km/h
CO2-Emission: 142 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,1 Liter
Basispreis: 21.625 Euro

Christine Meffert ist Textchefin des ZEITmagazins