Deutschland hat wieder einen Bundespräsidenten. Einen, der dieses Amt ausfüllt. Und anders als seine vier Vorgänger muss sich Joachim Gauck auch nicht hinter Richard von Weizsäcker verstecken.

Wie kein anderer Bundespräsident seit Weizsäcker hat Gauck die Geschichte der Deutschen im Blick, ihren tiefen Fall während des Nationalsozialismus, aber auch ihre erfolgreiche Entwicklung seither. Gauck formuliert Sätze zu Deutschland, die plausibel klingen und in denen doch ein ungewohnter Ton mitschwingt. Er wünscht sich "eine ernsthafte Rezeption, was uns gelungen ist, und nicht nur eine ernsthafte Erinnerung, was unseren Vorfahren nicht gelungen ist". Ohne zu vergessen und zu verdrängen, will er den Deutschen ihre erfolgreiche Entwicklung der letzten Jahrzehnte vor Augen führen und ihr Selbstbewusstsein aus dem Bann der dunklen Jahre befreien. "Wenn wir die Situation dieses Landes, seine Verfasstheit und demokratische Glaubwürdigkeit vergleichen mit anderen Ländern in Europa und in der Welt, kann ich kein Defizit erkennen", sagt Gauck. Mit Geschichtsrevisionismus hat das nichts zu tun.