Wie die Fußballschweiz diesen Mann hasst.

Sie blickt mit einer Mischung von Verwunderung und Abscheu auf ihn und seinen FC Sion, der in den letzten zehn Jahren wenig Erfolg hatte, aber umso mehr Trainer verschliss.

Christian Constantin – oder CC, wie sich der 57-Jährige selber nennt.

Je nach Zählweise hat CC in zehn Jahren 24 oder 31 Übungsleiter angeheuert und wieder gefeuert. Die Führungsstruktur des FC Sion ist weltweit einmalig. CC ist Sportchef und Präsident und Hauptaktionär in einem. Für ihn zählten nur – die Resultate, der Tabellenplatz und die Gunst der Zuschauer. Punkt. "Es gibt Bereiche im Leben, in denen dein Seelenzustand nicht gefragt ist", sagt Constantin knapp.

Das sagt einer, der monatlich 300.000 Franken seines Vermögens in den eigenen Club steckt. A fond perdu. Einer, dessen Klagefreudigkeit vor den Sport- und Zivilgerichten des Landes Legende ist. Ob Schweizer Fußballliga, Fifa oder Uefa: Der reiche Mann aus dem Wallis ist für die Hausjuristen ein rotes Tuch. Die Clubchefs der Swiss Football League haben sich schon überlegt, ob sie gegen den Unternehmer vorgehen sollten. Weil Constantin den ägyptischen Nationaltorhüter Essam El-Hadary mit einem illegalen Transfer zum FC Sion lotste, drohte allen Schweizer Clubs der Ausschluss von den internationalen Wettbewerben. Man hat telefoniert, gejammert und gezetert. Wer um Gottes willen würde diesen Wahnsinnigen endlich stoppen können?

Doch was sie alle übersahen: Hinter dem Wahnsinn des Christian Constantin steckt Kalkül.

Es ist für ihn egal, ob man ihn als irr bezeichnet. Es kommt ihm sogar gelegen, denn in diesem Sanguiniker lauert ein zweites Ich. CC ist wie jeder gute Agent Provocateur ein kühl rechnender und nüchtern abwägender Pragmatiker.

In Zermatt trifft man CC zum Gespräch. Ihn, den Chef eines Bau- und Immobilienunternehmens mit einem Jahresumsatz von 250 Millionen Franken.

Er sagt, dass er Boden im Wert von zwei Milliarden Franken besitzt. Sein Planungsbüro mit achtzig Mitarbeitern wird in den nächsten fünf Jahren knapp eine Milliarde Franken verbauen – CC hat ausgesorgt.

Und so beginnt man an diesem Februarnachmittag in Zermatt zu verstehen, weshalb CC in den letzten zehn Jahren 36 Millionen Franken in den FC Sion butterte.

Der Präsident ist offen und neugierig, beobachtet und kalkuliert, redet assoziativ und ausgiebig, antwortet, bevor die Frage zu Ende gestellt ist.

"Verstehst du? Nicht? Muss ich es vorrechnen? Soll ich’s dir erklären?"

Natürlich erklärt er, selbstverständlich rechnet er vor. A grande vitesse.

CC duzt alle und jeden. Vom Walliser Altbundesrat Pascal Couchepin, der inzwischen sein Freund geworden ist, bis zum einfachen Steinhauer, wie sein Vater einer war. Die Mutter starb, als der Sohn erst 13 Jahre alt war.