Nach nur fünf Stunden Flug und einer guten Stunde Autofahrt über staubige Pisten kann man vom Schloss Bellevue aus im Krieg sein. Daniela Schadt hätte ihre erste Auslandsreise als Deutschlands First Lady am liebsten direkt nach Syrien gemacht. Das hatte man ihr aber ausgeredet.

Also fuhr sie vergangene Woche so nah heran wie möglich: nach Za’atari, einem riesigen Flüchtlingslager in der Wüste vor Amman, wo manchmal das dumpfe Donnern von Geschossen zu hören ist. Und weil es der Frau des Bundespräsidenten zufällt, Schirmherrin von Unicef zu sein, will Schadt vor allem wissen, was in diesem Camp mit den Kindern passiert; sie machen die Hälfte der 100.000 Bewohner aus. Viele von ihnen sind allein über die Grenze gelangt, nach Tagesmärschen durch die Wüste, nach dem Verlust von Eltern, Freunden, Heimat. Die Kinder, vor allem die Teenager, die mit den Eltern gekommen sind, fühlen sich oft für deren Depression verantwortlich. Sie werden früh verheiratet, manchmal geschlagen und müssen arbeiten gehen.

Man hat für die First Lady Termine in Containern gemacht, wo sie sich zu den Familien auf die Matratzen hockt und ohne Umschweife zu fragen anfängt: Wie ist das, ohne den Mann hier in der Fremde zu sein? Sind die Kinder geimpft? Was will die neunjährige Farah einmal werden? Und was um alles in der Welt tut man, wenn man sich eine Magen-Darm-Grippe eingefangen hat und das nächste Klo des Camps drei Kilometer entfernt ist?

Sie fragt oft, bis den Leuten die Tränen kommen. Daniela Schadt war Politikjournalistin, eine beherzte Kommentatorin bei der Nürnberger Zeitung, als sie vor 13 Jahren Joachim Gauck kennenlernte. Sie hatten lange eine Wochenendbeziehung, bis Gauck in einem zweiten Anlauf Bundespräsident wurde. Schadt gab ihren Beruf auf und zog zu ihm in die Dienstvilla im Südwesten Berlins. Sie bestreitet nicht, dass der Abschied vom geliebten Job hart war und ist. "Aber es ging einfach nicht anders", sagt sie und zuckt mit den Schultern. "Jeder meiner Artikel wäre in Bezug auf den Bundespräsidenten gelesen worden."

Wie Daniela Schadt mit diesem Verlust umgeht, das konnte man in Jordanien studieren. Beim Abendessen in der Residenz des deutschen Botschafters erscheint sie in einem Kostüm, an dem Audrey Hepburn ihre Freude gehabt hätte, nimmt lächelnd hinter dem Schild Platz, auf dem jetzt immer "Ihre Exzellenz" steht, und verwickelt den eloquenten Botschafter binnen Minuten in ein Gespräch über den Nahen Osten, sodass es dem Rest der Tafelrunde die Sprache verschlägt.

Mit anderen Worten: Für den Verlust ihres Berufs quält sich die First Lady nicht mit Neidgefühlen gegen ihren Lebensgefährten, der höchstens mal eine liebevoll-ironische Bemerkung kassiert ("Der Bundespräsident hätte das jetzt literarischer formuliert"). Nein, Daniela Schadt folgt dem Motto des Songs Carry On Regardless: einfach weitermachen, der journalistischen Neugier freien Lauf lassen, solange es das Protokoll erlaubt. Schließlich war sie auch als Journalistin schon ein bisschen Politikerin.

Als Jugendliche, das lässt die 54-jährige Schadt gelegentlich durchblicken, war sie ein wildes Mädchen, aber nicht doof. Als ihr ein guter Freund den feministischen Klassiker Tod des Märchenprinzen als Lebenshilfe andienen wollte – in den siebziger Jahren Pflichtlektüre jedes Frauenverstehers –, lehnte sie höflich ab: Es sei nun mal nicht ihre Erfahrung, dass alle Männer miese Schweine seien, sorry. Als viele ihrer Freunde gegen die Startbahn West demonstrierten – Schadt kommt aus Hanau und hat in Frankfurt Politik studiert –, kam sie ins Grübeln: Brauchen wir die nicht? Eine politische Jugendsünde allerdings plagt sie immer noch.