ERICH MARIA REMARQUE:

Im Westen nichts Neues

Wie haben die Nazis dieses Buch gehasst! Gleich 1933 flog es ins Feuer. Sie hatten ihre eigenen Helden, ihre Beumelburg, Flex und Jünger. Erich Maria Remarques (1898–1970) Roman, 1928/29 erschienen, gehört zu den ganz großen Welterfolgen der deutschen Literatur; die Hollywood-Verfilmung 1930 trug Regisseur Lewis Milestone den Oscar ein. Ob im Film oder im Buch: Nach wie vor packt Remarques Geschichte vom Simplicissimus Paul Bäumer. Denn obwohl der Autor sein Werk nicht als Anklage verstand, sondern als "den Versuch, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde, auch wenn sie seinen Granaten entkam", so zeigt es gerade dadurch, wie der Krieg jede Faser der Existenz durchdringt und aller Sinn vor der Banalität des Tötens erlischt.

HENRI BARBUSSE:

Das Feuer

Die französische Literatur kennt ungezählte Romane über den Ersten Weltkrieg, und immer noch kommen Jahr für Jahr welche dazu. Einer der ersten, 1916 erschienen, war Le Feu, das "Tagebuch einer Korporalschaft", wie das Werk von Henri Barbusse (1873–1935) im Untertitel heißt. Es wurde ein Sensationserfolg und erhielt bald schon Frankreichs begehrtesten Literaturpreis, den Prix Goncourt; eine deutsche Ausgabe kam freilich erst 1918 in Zürich heraus. Barbusse’ harte und doch poetische Sprache fegt die Welt der heroischen Phrasen zur Seite. Die Tagebuchform suggeriert unmittelbare Gegenwart, alles scheint noch im Schützengraben notiert. "Ein Sausen. Eine verirrte Kugel. Eine Kugel? Gott bewahre! Es ist eine Amsel! Komisch, wie ähnlich beides klingt ..."

ERNEST HEMINGWAY:

In einem andern Land

Keine 19 Jahre zählt Ernest Hemingway (1899–1961), als er sich zum Sanitätsdienst in Europa meldet. Der junge Mann aus Illinois kommt an die italienische Front; während der Kämpfe am Piave wird er verwundet. Im Mailänder Lazarett verliebt er sich in eine Krankenschwester, auch sie stammt aus den USA – und fertig war das Buch, der Roman, der 1929 erschien und Hemingway berühmt machte: A Farewell to Arms. Diese Geschichte über die Liebe in Zeiten des Krieges ist in einer neuen Sprache erzählt, oft über Seiten auf knappe Dialoge reduziert. Es ist ein lakonisches, dabei fast elegantes Buch, existenzialistisch abgeklärt, und immer wesentlich: "Ich weiß, dass es schlimm ist, aber wir müssen bis zum Ende durchhalten." – "Es gibt kein Ende. Für einen Krieg gibt es kein Ende."

ARNOLD ZWEIG:

Junge Frau von 1914

D er große Krieg der weißen Männer heißt ein Zyklus von Romanen, die Arnold Zweig (1887–1968) dem Ersten Weltkrieg gewidmet hat . Dazu gehört, 1931 erschienen, Junge Frau von 1914. Doch die Geschichte um den armen Schriftsteller Werner Bertin und die höhere Tochter Lenore Wahl ist mehr als ein "Kriegsroman". Während das Buch den Schrecken der Front in Serbien und Verdun nur andeutet, schildert es eindringlich die klein- und großbürgerliche deutsch-jüdische Welt des Kaiserreichs. Es erzählt von dem Kampf um eine Abtreibung ebenso wie vom schwelenden Antisemitismus und von den anderen tiefen sozialen Verwerfungen, die alle Bereiche des wilhelminischen Kosmos durchziehen. Vor allem aber zeigt dieses Meisterwerk, dass es auch deutsche Autoren gab, die Gesellschaftsroman konnten.

JAROSLAV HAŠEK:

Der brave Soldat Schwejk

Wer kennt sie nicht, den indolenten Prager Hundehändler Schwejk, der sich blödschlau durchs Leben laviert, und all die anderen skurrilen Gestalten dieses Romans, wie den versoffenen Feldkurat Katz oder den lumpispitzen Oberleutnant Lukasch. Der geniale tschechische Satiriker Jaroslav Hašek (1883–1923) schrieb seinen Braven Soldaten Schwejk unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Krieg, ganz vollenden konnte er ihn nicht mehr. Doch so burlesk das Buch beginnt, so bitter wird es zum Ende hin, und scheint am Anfang noch Molière Regie zu führen, so erinnern die letzten Episoden an der Front in Galizien eher an die düster absurden Endspiele Samuel Becketts – wenn nicht gar an Georg Trakls berühmtes Grodek- Gedicht von 1914: "Alle Straßen münden in schwarze Verwesung."