Testfrage: Welcher Berliner Minister ist zuständig für die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote? Richtig: Heiko Maas, der neue Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz, gemeinsam mit Familienministerin Manuela Schwesig. Nur weiß das eigentlich keiner, weil sich in der vergangenen Legislaturperiode die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und die frühere Familienministerin Kristina Schröder so erbittert bekämpft haben, dass praktisch jeder dachte: Die beiden klären das Thema untereinander. Dabei lag damals die Verantwortung sogar ausschließlich beim Justizressort. Nun will Heiko Maas deutlich machen, dass ein Mann einer der wichtigen Gleichstellungspolitiker der Regierung ist.

Damit es auch jeder mitbekommt, stellt der Minister nun kommende Woche in der Bundespressekonferenz die Eckpunkte für eine Einführung einer gesetzlichen Frauenquote vor, gemeinsam mit Schwesig. Eigentlich hatte er den Auftritt für den Internationalen Frauentag am 8. März geplant, jetzt tritt er ein paar Tage später auf. Auch in seinem ersten großen Interview hat Maas kürzlich vor allem über die Frauenquote geredet.

Damit ist Maas binnen kurzer Frist schon der dritte SPD-Spitzenpolitiker, der offensiv versucht, den Ruf der SPD als Machopartei zu verändern. Zunächst hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel angekündigt, fortan immer am Mittwochnachmittag seine kleine Tochter selbst vom Kindergarten abzuholen. SPD-Staatssekretär Jörg Asmussen, ehemals Direktor der Europäischen Zentralbank, erläuterte in Interviews, dass er nun für ein deutlich niedrigeres Gehalt arbeite, um näher bei seiner Familie zu sein.

Jedes zweite Spitzenamt in Berlin haben die Sozialdemokraten nach der Wahl mit Frauen besetzt. Heiko Maas ist neben den Altvorderen Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Thomas Oppermann der Einzige, der es in die erste Reihe schaffte. Insofern ist sein Werben für die Frauenquote nicht ohne Ironie, sie hätte ihn leicht die Karriere kosten können. Nach drei gescheiterten Versuchen, im Saarland Ministerpräsident zu werden, wäre aus ihm ohne den Ministerjob wohl nichts mehr geworden.

Nun ist er also Chef eines Ressorts, das schon immer Frauenpolitik gemacht hat. Frühere Justizminister haben unter anderem das Unterhaltsrecht für Geschiedene und das Abtreibungsrecht verändert, und sie haben die Vergewaltigung in der Ehe zu einem Straftatbestand gemacht. Rechts- und Innenpolitiker haben auch die Regeln für ein neues Prostitutionsgesetz ausgehandelt, das noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden soll.

So kümmern sich nun zwei Männer in der neuen Koalition um Frauenthemen: Die Unionsfraktion im Bundestag wählte kürzlich den 46-jährigen Hamburger Marcus Weinberg zum neuen Sprecher für Familien- und Frauenpolitik, einen ehemaligen Lehrer.

Eine ähnliche Konstellation gab es zuletzt in den achtziger Jahren, als Heiner Geißler CDU-Generalsekretär und Bundesfamilienminister wurde und das Frauenbild der CDU revolutionierte. Die SPD wartete mit dem ersten männlichen Frauenbeauftragten auf, mit Friedhelm Farthmann aus Nordrhein-Westfalen. Auf die Frage, ob ein Mann dieses Amt ausfüllen und Politik für Frauen machen könne, sagte Farthmann forsch, der Umweltbeauftragte des Landes sei ja auch kein Baum.

Maas tritt also ein schweres Erbe an.