George Soros ist Finanzinvestor und selbst ernannter Philanthrop. Der US-Finanzinvestor ungarischer Herkunft gilt als einer der reichsten Männer der Welt. In seinem neuen Buch fordert er, dass Deutschland endlich Eurobonds akzeptieren müsse, um die Krise zu beenden. Soros polarisiert: Den einen gilt er als Wohltäter, der Millionen von Dollar in die Förderung der Demokratie investiert. Für andere ist er der rücksichtslose Finanzinvestor, der einst erfolgreich gegen das britische Pfund spekulierte.

Nun hat er sich auf die Agenda geschrieben, die europäische Idee zu retten. In einer Reihe von Gesprächen gehen Soros und Spiegel-Korrespondent Gregor Peter Schmitz den immanenten Schwächen von Europas Gemeinschaftswährung auf den Grund. Mit unpopulären Thesen wendet sich Soros dabei an die Öffentlichkeit. Jedem der vier Gesprächsabschnitte stellt Schmitz ein einführendes Kapitel voran. Auf diese Weise wird das Buch auch für den wirtschaftlichen Laien gut lesbar.

Die europäische Einigung in ihrer politischen und historischen Dimension wird zum Ausgangspunkt, von dem aus die Autoren aufzeigen, wie die Krise den europäischen Zusammenhalt erschütterte. Soros nennt die Politik der Nationalstaaten, insbesondere die Deutschlands, pragmatisch – und dieser Pragmatismus ist seiner Meinung nach ein Problem für die Zukunft eines geeinten Europas.

Für George Soros, der sich als Jude in Ungarn vor den einmarschierenden Nationalsozialisten verstecken musste, stellt "die Europäische Union das ideale Modell einer offenen und freien Gesellschaft" dar. Diese Errungenschaften sieht er in Gefahr, weil Deutschland bei der Bewältigung der Euro-Krise nur nationale Interessen verfolge. Dabei müsse Deutschland, fordert Soros, als größter Profiteur des Euro die Führung übernehmen. Er stellt sich diese "Art moderner Marshallplan" so vor: Deutschland soll südlichen Ländern ihre Schulden erlassen und der Einführung von Eurobonds zustimmen. Andernfalls sei Europa ernsthaft in Gefahr: "Uns droht eine europäische Ordnung, in der Deutschland wie eine Kolonialmacht gehasst werden wird."

Soros bleibt bei seiner Betrachtung der Krise, trotz einiger interessanter Argumente, leider einseitig. Andere Länder, andere Verantwortliche als Deutschland kommen nicht vor. Mit der geforderten Sparpolitik zwinge die Bundesrepublik "dem Rest Europas rücksichtslos ihren Willen auf", kritisiert er und ignoriert dabei andere Akteure wie die Europäische Zentralbank, die Europäische Kommission oder den Weltwährungsfonds. Soros gibt zwar zu, dass Reformen in den Krisenstaaten nötig seien, fordert aber, erst einmal deren Wirtschaft zu stärken.

Durchaus interessant ist seine Ausführung zu seiner Rolle als Spekulant in der Krise. Mit seinen Spekulationen habe er "Schwächen in der Struktur der Euro-Zone aufgedeckt, die früher oder später ohnehin zutage getreten wären". Soros fordert ein "Verbot von besonders gefährlichen Finanzinstrumenten wie Credit Default Swaps", obwohl er selbst damit hohe Gewinne gemacht habe. Die Politik aber habe die Macht, Regeln zu ändern und die Märkte zu kontrollieren, wenn sie nur wolle, behauptet er.

Das Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für ein geeintes Europa. "Die Europäer müssen begreifen, dass sie mehr zusammenhalten müssen, um in einer globalisierten Welt bestehen zu können", so der Appell von Soros. Man muss mit seinen Ausführungen nicht übereinstimmen, um seine lesenswerten Argumente anregend zu finden. Soros plädiert für eine politische Einigung Europas als Befreiungsschlag aus der Krise. Es ist ein außergewöhnlicher und sehr kontroverser Ansatz in einer Diskussion, die bislang hauptsächlich von der Debatte über riesige Staatsschulden in Krisenländern, Sparprogramme und Rettungspakete bestimmt wurde.