Über Enten wird selten schlecht geredet. Sie sehen nicht nur gut aus (besonders die Erpel in ihrem knallbunten Outfit), sie lassen sich auch ebenso leicht füttern wie verzehren. Da sie in Teich und Bratröhre gleichermaßen gute Figur machen, könnte man sogar verführt sein, sie für geborene Dulder zu halten, aber das wäre ganz falsch. Die Ente ist ein ziemlich freches Biest. Man muss nur einmal erlebt haben, wie zwei oder drei Enten sich damit vergnügen, einen Schwan im Stadtparkteich zu foppen. Das Wegschnappen von Brotrinde knapp vor dem Schnabel ist noch die geringste Übung; die Ente kann auch tauchen und den Schwan ins Schwimmfüßchen beißen – oder was weiß ich unter dem Schwan machen, es ist wissenschaftlich ungeklärt. Die Ente jedenfalls taucht knapp hinter dem Schwan ab, und wenig später schlägt der Ärmste unter Fauchen mit den Flügeln, versucht auf dem Wasser zu laufen oder sonst wie zu entkommen. Es muss peinigend sein; vielleicht ist auch nur das Gefühl erniedrigend, gerade von einer Ente untertaucht zu werden.

Die Kommunikation zwischen Ente und Schwan funktioniert prächtig; andernfalls könnte die Ente nicht so genau wissen, was Schwäne am meisten ärgert. Tatsächlich sind die beiden zoologisch eng verwandt, mit den Gänsen zusammen zählen sie zu den Entenvögeln, aus welcher Bezeichnung man schon erkennt, dass die Ente den Laden dominiert. Vielleicht hat sie auch deshalb so einen guten Humor und lässt sich nicht so leicht in aggressive Stimmungen drängen wie die Gans oder der Schwan, die beide auch schon mal beißen – zum Beispiel ein Kind in den Bauch, das ihnen zu nahe kommt.

Der Aggressionsmodus der Ente beschränkt sich aufs Foppen und Eine-Nase-Drehen. Gerne bringen sie auch Hunde um den Verstand, die weder zu Wasser noch zu Land an sie herankommen. Schon ihr Schnattern klingt nach Hohn; das kurze Auffliegen und Gleich-wieder-Landen ist dann echter Hohn. Der Hund ist noch nicht geboren, der nicht schon beim Anblick einer Ente in Raserei gerät; selbst Welpen geraten in spontane Hasszustände, wahrscheinlich kommt die Ohnmachtserfahrung von Generationen genarrter Vorfahren über sie.

Es gibt Hunde, die gerne alles jagen, es gibt Hunde, die nur Jogger jagen, es gibt Hunde, die fast niemals jagen, aber alle träumen davon, sind bis zum Irrsinn davon besessen, einmal in das ölig schillernde Federkleid der Ente zu beißen. Für die Jagd auf Reh- oder Schwarzwild muss man den Hund erziehen, für den Wasservogel braucht es nur den sicheren Flintenschuss, und der Hund, selbst der verstädtertste Stadthund, wird ihn apportieren, aus dichtestem Schilf. Das ist es, was in der Hundesprache Hundeglück heißt, den fetten Federbalg im sabbernden Fang tragen (eine andere Frage ist, ob man ihn auch hergibt).

Ganz anders verhält es sich mit den Laufenten, die wegen ihres vertikal gestreckten Körpers auch Pinguin-Enten genannt werden; sie können nicht fliegen, nur schnell laufen, aber niemals so schnell wie ein Hund. Doch sonderbar! Die Jagd auf sie gilt unter Hunden als grob unsportlich; wenn es sich nicht um echte Futternot handelt, werden sie die Laufente laufen lassen, allerdings ungern, sehr ungern. Liebe Gartenbesitzer, die ihr mit Laufenten liebäugelt, weil sie die Schneckenplage bekämpfen: Auch diese sind eine Provokation für euren Hund, und wenn er sie duldet, wird er doch täglich vorwurfsvoll auf die, Pardon, Scheiße aufmerksam machen, die diese produzieren, und zwar bevorzugt dort, wo man leicht ausrutscht. Die Ente, es hilft nichts, drum herumzureden, ist nun einmal kein dezentes Tier.