Wie konnte er nur in Vergessenheit geraten! Kindheiten wurden von ihm beschienen, allein durch sein sanftes Glühen wurden böse Träume aus Jugendzimmern verbannt und die schöneren, die von weiten Reisen in ferne Länder, erst möglich gemacht. Der Globus war noch vor gar nicht allzu langer Zeit kein lebloser Staubfänger. Er bildete das geheime Zentrum von Zimmern, war Accessoire, Informationsquelle und Reisemaschine in einem. Wie ein fantastischer Beamer in antiquiertem Gewand stand er immer bereit. Man musste ihn nur zum Drehen bringen, die Augen schließen, mit dem Finger auf einen Ort tippen und so anhalten – ein imaginierter Trip nach den Regeln des Zufalls, der sofort die Gedanken über Kontinente fliegen ließ, alle Distanzen relativierte und ganz nebenbei noch die Erdkunde-Hausaufgaben erleichterte. All das soll nun also vorbei sein?

Es ist das offensichtlich Überflüssige an diesem Traumglobus, das ihn so kostbar macht. Seit der Erfindung von Google Earth mag er theoretisch zu der Sorte Sperrgut gehören, das man am liebsten am Straßenrand abstellen will. Praktisch aber ist er immer noch wunderschön und dringend bewahrenswert.

Wer würde uns sonst diese einzigartige Perspektive auf die Welt ermöglichen? Nicht als akribisch erschlossene, virtuell begehbare Fläche erscheint die Erde hier, sondern so, wie sie ist: rund, unbegreiflich in ihren Dimensionen und gleichzeitig greifbar, bereisbar. Nein, der Keller oder der Sperrmüll sind nicht der richtige Ort für ihn. Angemessen ist die Flucht nach vorn. Im Stuttgarter Auktionshaus Nagel ist er nur mit Beistelltisch zu haben (200 Euro), und das ist ganz richtig – thronen soll er!